Politik : Linkspartei: Pit Metz gibt Kandidatur auf

Der umstrittene Spitzenkandidat der Linkspartei für die Landtagswahl in Hessen, Pit Metz, gibt auf. Der frühere DKP-Funktionär zieht damit die Konsequenzen aus der innerparteilichen Debatte um seine Person. Er hatte kurz nach der Nominierung vor anderthalb Wochen den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze mit dem Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan gleichgesetzt. In einer am Mittwochabend in Marburg veröffentlichten Erklärung schrieb Metz, er habe den Eindruck, „dass an mir und meiner politischen Vergangenheit die gemeinsame Handlungsfähigkeit unseres Landesverbandes eher gefährdet als gestärkt wird“. Sein Rückzug von der Spitzenkandidatur solle ein Beitrag sein, „die auseinanderstrebenden Teile der Partei wieder zusammenzuführen“. Die Linke in Hessen müsse „rasch und dringend zur Politik zurückkehren“.

Metz war von Anfang an nicht der Wunschkandidat der Parteiführung. Der Landesvorstand selbst hatte für den Spitzenplatz den früheren DGB- Landesvorsitzenden Dieter Hooge vorgeschlagen – unterstützt von der Führung der Bundespartei. Die Basis ließ Hooge dann aber durchfallen. Anders als Metz hatte er eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken nicht ausschließen wollen.

Die Berliner Parteiführung war seit Tagen in die Gespräche zur Lösung der Krise in Hessen eingeschaltet. Noch am Dienstag war Metz in Berlin, traf sich zunächst mit Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch und dem West-Beauftragten der Partei, Ulrich Maurer, später auch mit Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine und dem Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi. Am Rande der Klausur der Bundestagsfraktion in Templin war die Parteiführung bemüht, den Eindruck zu vermeiden, der Rückzug von Metz könnte unter Druck erfolgt sein. Lafontaine sagte dem Tagesspiegel: „Es ist eine Entscheidung, die wir respektieren und die er in eigener Verantwortung getroffen hat.“ Letzteres sei wichtig, „damit es keine falschen Legenden gibt“. Parteichef Lothar Bisky ergänzte: „Meines Wissens hat ihn niemand dazu aufgefordert.“ Bartsch äußerte „Hochachtung“ für die Entscheidung von Metz und sprach von einem „beachtenswerten Schritt“.

An der hessischen Basis hatte es zum Teil deutlichen Unmut gegeben. Die Linke im Odenwald hatte Metz „kommunistisches Altkadergeschwätz“ vorgeworfen, der von ihm angerichtete Schaden sei „nicht mehr zu beheben“. Bartsch sprach im Zusammenhang mit der Listenaufstellung in Hessen von einem „Rückschlag“, wie es ihn beim Parteiaufbau der Linken immer mal geben werde. Wer jetzt Spitzenkandidat in Hessen wird, ist noch offen. Im Gespräch ist unter anderem der hessische Bundestagsabgeordnete Werner Dreibus. Entscheidungen sollen auf der zweiten Tagung des Landesparteitages an diesem Samstag fallen – im ersten Anlauf waren die Delegierten nur bis Listenplatz sieben gekommen.

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