Politik : Linkspartei solidarisch mit Klarsfeld

Sabine Beikler/Matthias Meisner

Berlin - Die Kandidatin der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt, Beate Klarsfeld, kann auf breite Zustimmung der eigenen Wahlleute rechnen. Zwar hieß es aus dem linken Flügel der Partei, einige in der Fraktion seien von der 73-jährigen Nazi-Jägerin „nicht begeistert“. Dennoch gebe es eine „stille Akzeptanz“ für die deutsch-französische Journalistin, die erst nach einer längeren Hängepartie nominiert worden war. Nach dem, wie es hieß, „dilettantischen Verhalten“ der eigenen Parteiführung sei aber „von allen Seiten“ keine Debatte erwünscht.

Klarsfeld hatte sich am Donnerstag der Linksfraktion im Bundestag vorgestellt – und war dort nach Angaben von Teilnehmern ausgesprochen freundlich aufgenommen worden. Allerdings wurde auch eine Reihe von Meinungsverschiedenheiten offen benannt – etwa die Unterstützung von Klarsfeld für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Der „taz“ sagte die Linken-Kandidatin: „Unsere Gruppe ,Association des fils et filles des déportés juifs de France’ unterstützt immer den Kandidaten, der besonders gute Beziehungen zu Israel und den USA hat.“

Der Linken-Außenpolitiker Stefan Liebich, einer der Wortführer der Realpolitiker, sagte dem Tagesspiegel: „Es ist nicht schlimm, eine Bewerberin zu haben, die nicht immer die Position der Linken vertritt. Und Beate Klarsfeld ist auch keine Linke.“ Mit Blick auf ihre Biografie könne er sehr gut nachvollziehen, dass Klarsfeld sich eindeutig israelfreundlich verhält. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, hatte Klarsfeld nach ihrer Nominierung als eine „starke und anerkannte Frau“ bezeichnet. „Wenn ihr enthusiastisches Engagement für Israel nun sogar auch noch ein wenig auf die Linkspartei abfärben könnte, wäre das ganz besonders schön.“

Linken-Vize Sahra Wagenknecht nannte Klarsfeld wegen ihres Kampfes gegen Nazis eine „ausgezeichnete Kandidatin“. Sie sagte dem Tagesspiegel: „Eine Nominierung bedeutet nicht, dass es nicht an anderen Stellen auch unterschiedliche Ansichten geben kann. Frau Klarsfeld kandidiert schließlich nicht für ein Parteiamt der Linken, sondern für das Amt der Bundespräsidentin.“Klarsfeld wollte sich am Freitagabend der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus vorstellen. Zuvor sagte Berlins Linken-Chef Klaus Lederer, er störe sich nicht am Bekenntnis von Klarsfeld zu Israel oder den USA. „Klarsfeld ist unsere Kandidatin. Ich habe ihre Kandidatur begrüßt. Ich erwarte aber nicht, dass sie unser Parteibuch unterschreibt.“ In der Bundesversammlung am 18. März stellt die Linke etwa zehn Prozent aller Wahlleute. Sabine Beikler/Matthias Meisner

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