Politik : Lipobay: 1114 Fälle von Muskelschwund - durch den Cholesterinsenker?

shf/kk

Im Zusammenhang mit dem Bayer-Medikament Lipobay sind bisher 1114 Fälle von Muskelschwund gemeldet worden. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Der Bayer-Konzern bestätigte die Angaben am Mittwoch. Der Cholesterinsenker steht im Verdacht, den Muskelschwund als Nebenwirkung ausgelöst zu haben. Etwa 400 Fälle traten nach Analystenangaben in den USA auf, wo Bayer besonders umfangreiche Schadensersatzklagen drohen. Anwälte sprechen von Multi-Millionen-Dollar-Klagen. Genaue Schätzungen über den Umfang der Forderungen gibt es bisher aber nicht. Dass der Fall ähnliche Dimensionen wie beim US-Konzern American Home Products erreichen könnte, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Der Konzern hatte nach dem Rückruf eines Schlankheitsmittels mehr als zwölf Milliarden Dollar für Schadensersatzklagen zurückstellen müssen.

Einen gewissen Schutz vor Schadensersatzansprüchen bietet Analysten zufolge die Tatsache, dass Bayer vor Nebenwirkungen auf den Beipackzetteln gewarnt habe. Ärzte verweisen zudem darauf, dass der Muskelzerfall eine akut auftretende Erkrankung ist, die bei rechtzeitiger Behandlung wieder ausheilt. Es sei daher fast ausgeschlossen, dass noch eine Welle bisher nicht erkannter Schäden auftauche, meinte der Freiburger Herzspezialist Professor Christian Holubarsch.

Die beschriebenen Nebenwirkungen wurden nach bisherigen Daten bei deutlich weniger als einem Tausendstel der rund sechs Millionen mit Lipobay behandelten Patienten beobachtet. Allerdings traten diese Komplikationen nach Angaben von Ärzten bei Lipobay rund zehn Mal häufiger auf als bei den fünf anderen Cholesterinsenkern der Konkurrenz.

Die Verbrauchergruppe Public Citizens verweist unteressen auf insgesamt 772 Fälle in den USA seit Oktober 1997, in denen die Muskelschwäche nach dem Gebrauch von Medikamenten aus der Gruppe der Statine aufgetreten ist. 72 Patienten seien daran gestorben. Nach Aussagen einer Sprecherin der US-Gesundheitsbehörde FDA sind diese Zahlen allerdings zu hoch gegriffen. Die FDA bringt Lipobay, das in den USA Baycol heißt, bisher in Zusammenhang mit dem Tod von 31 Menschen. 12 davon hätten die höchste Dosierung des Medikaments genommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar