Politik : Lipobay-Skandal: Ministerin will Medikamentenpass für alle Bürger

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Als Konsequenz aus dem Skandal um das Bayer-Medikament Lipobay will Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einen Medikamentenpass für alle Bürger einführen. Schmidt sagte am Donnerstag in Berlin, Ärzte und Apotheker sollten bei der Behandlung mittels einer elektronischen Patientenakte einsehen können, welche Arzneien der Patient einnehme. Davon verspricht sich die Ministerin auch, dass mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Pillen, Salben und Tropfen schneller erkannt und weitergeleitet würden.

Datenschutzprobleme sieht die SPD-Politikerin in diesem Zusammenhang nicht. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob hat dagegen sehr wohl rechtliche Bedenken geltend gemacht. Maßgebend sei, ob die Daten auf freiwilliger Basis gesammelt werden sollten oder nicht, sagte seine Sprecherin Helga Schumacher dem Tagesspiegel am Donnerstag. "Bei einer freiwilligen Regelung gehen wir davon aus, dass mit uns über die Ausgestaltung geredet wird, damit das Persönlichkeitsrecht der Patienten und der sichere Umgang mit den medizinischen Daten gewährleistet werden", sagte Schumacher. Eine zwangsweise Erhebung der Daten sei derzeit ohnehin nicht erlaubt, da es dafür keine Rechtsgrundlage gebe.

Bayer bestätigte, dass Lipobay möglicherweise bei mehr als 1100 Patienten weltweit Muskelzerfall ausgelöst habe. Es werden mehr als 50 Todesfälle mit dem Präparat in Verbindung gebracht. In Deutschland gab es nach Angaben des zuständigen Bundesinstituts im Zusammenhang mit Lipobay und dem wirkstoffgleichen Medikament Zenas 234 Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen. Bayer will Lipobay jetzt auch in Japan als letztem Land vom Markt nehmen. Diese Entscheidung werde das operative Ergebnis dieses Jahres bei Bayer um bis zu 150 Millionen Euro (293 Millionen Mark) verringern, hieß es. Insgesamt werde der Rückzug von Lipobay das Ergebnis um bis zu 800 Millionen Euro oder gut 1,5 Milliarden Mark schmälern. Die Bayer-Aktie fiel um fast 2,5 Prozent auf gut 34 Euro und war damit Schlusslicht im Deutschen Aktienindex Dax.

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