Politik : Liste statt Kreis

Wie prominente Politiker

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Die spannendste Bundestagswahl aller Zeiten hat in zahlreichen Wahlkreisen Überraschungen gebracht. Viele prominente Bundespolitiker mussten sich im Kampf um die Direktmandate geschlagen geben. Besonders die SPD-Prominenz traf es hart:

Neben Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin zogen Arbeitsminister Walter Riester und Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping gegen CDU-Kandidaten den Kürzeren. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat, Bundesinnenminister Otto Schily, verlor ebenfalls sein Duell im Wahlkreis München-Land gegen den CSU-Mann Martin Mayer. Weil Bundesfamilienministerin Christine Bergmann in Berlin gegen Petra Pau von der PDS verlor, wird sie nicht mehr im Bundestag vertreten sein. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz setzte sich dagegen im nordrhein-westfälischen Wahlkreis Hamm-Unna gegen CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer durch. Auch Verteidigungsminister Peter Struck, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse gewannen für die SPD ihren Wahlkreis.

Die CDU konnte ihre Spitzenpolitiker weitgehend durchsetzen. CDU-Vorsitzende Angela Merkel setzte sich in ihrem Heimat-Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern-Rügen durch. Unions-Fraktionschef Friedrich Merz verteidigte seinen Wahlkreis Hochsauerlandkreis. Auch der baden-württembergische CDU-Spitzenkandidat Wolfgang Schäuble hat sein Direktmandat im badischen Wahlkreis Offenburg klar behaupten können.

Für eine Premiere in der Geschichte der Grünen sorgte Christian Ströbele. Dem Alt-Linken gelang es, erstmals ein Direktmandat für die Grünen bei einer Bundestagswahl zu gewinnen. Ströbele errang im Berliner Ost-West-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die meisten Erststimmen und setzte sich dabei gegen den SPD-Bewerber Andreas Matthae durch. Joschka Fischer ist zwar einer der beliebtesten Politiker des Landes, seinen Wahlkreis hat er trotzdem nicht gewonnen. Ein Kuriosum stellt der Fall Cem Özdemir dar. Er hatte sich nach der Bonusmeilenaffäre aus allen politischen Ämtern zurückgezogen und angekündigt, auch nach der Wahl nicht in den Bundestag einziehen zu wollen. Nun ist er aber über die Landesliste der Grünen in Baden-Württemberg gewählt. Gerüchten zufolge will er nun entgegen der Absprache mit seiner Partei doch sein Mandat wahrnehmen. Eine Fraktionssprecherin sagte am Montag dazu in Berlin: „Es bleibt dabei. Er wird das Mandat nicht annehmen.“ Auf Anfrage sagte Özdemir dem Tagesspiegel: „Ich rede mit der Presse nicht.“

Wie viele seiner Parteikollegen konnte auch PDS-Bundestagsfraktionschef Roland Claus keinen Wahlkreis erringen. Die einzigen Direktmandate für die PDS gingen an Parteivize Petra Pau und Gesine Lötzsch. Pau gewann in Berlin-Marzahn Hellersdorf, Lötzsch setzte sich in Berlin-Lichtenberg durch. Beide Politikerinnen werden als fraktionslose Abgeordnete in den 15. Deutschen Bundestag einziehen.

Die beiden Konkurrenten um das Amt des Bundeskanzlers konnten sich jeweils über die Ergebnisse in ihren Wahlbezirken freuen. Im Bezirk Hannover Stadt 1 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) errang der SPD-Direktkandidat Gerd Andres, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, sogar mit 55,5 Prozent die absolute Mehrheit für seine Partei. Auch der bayerische Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) konnte mit einem überdurchschnittlich guten Ergebnis der CSU in seinem Heimat-Wahlkreis Starnberg zufrieden sein. Dort erreichte die CSU mit 63,3 Prozent der Stimmen fast drei Mal so viele Erststimmen wie die SPD mit 22 Prozent. Stoiber selbst war in seinem Wahlkreis nicht angetreten, er kandidierte nur auf dem Spitzenplatz der Landesliste.

Keine Lust, auf der Oppositionsbank zu sitzen, hat Thüringens CDU-Spitzenkandidat Lothar Späth. Er werde das über die Landesliste errungene Mandat nicht antreten, sagte der Jenoptik-Vorstandschef dem MDR. Tsp

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