• Litauer wählen Staatschef Adamkus überraschend ab Ex-Premier und Kunstpilot Paksas wird neuer Präsident

Politik : Litauer wählen Staatschef Adamkus überraschend ab Ex-Premier und Kunstpilot Paksas wird neuer Präsident

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Vilnius (vs/dpa). In Litauen hat der frühere Ministerpräsident Rolandas Paksas überraschend die Präsidentenwahl gewonnen. Auf den 46 Jahre alten Politiker entfielen bei der Stichwahl am Sonntag 54,9 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission in Vilnius am Montag mitteilte. Der bisherige Amtsinhaber Valdas Adamkus (76), der in den Umfragen klar vorne gelegen hatte, erhielt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 45,1 Prozent der Stimmen.

„Ich habe die Probleme unseres Landes verstanden“, sagte Paksas in der Wahlnacht. Der studierte Ingenieur und gelernte Kunstpilot hatte in Litauen in den Jahren 1999 und 2000 zweimal für einige Monate das Amt des Regierungschefs inne. Zuvor war er als Bürgermeister der Hauptstadt Vilnius bekannt geworden. Nach Parteiwechseln gründete Paksas im vergangenen Jahr die bislang bedeutungslose Liberaldemokratische Partei.

Meinungsforscher hatten mit einem Sieg des Amtsinhabers Adamkus gerechnet, der maßgeblich den bevorstehenden Beitritt seines Landes zu Nato und EU vorbereitet hatte. Beobachter erklärten das überraschende Ergebnis auch mit der niedrigen Wahlbeteiligung: Nur jeder zweite Wahlberechtigte gab seine Stimme ab. Dem Präsidenten gelang es offenbar nicht, seine Anhänger zu mobilisieren.

In den Städten Vilnius und Kaunas lag Adamkus zwar vorn, in den ländlichen Regioerhielt jedoch der Herausforderer Paksas eine klare Mehrheit. Adamkus machte indirekt den von Paksas aggressiv geführten Wahlkampf für seine Niederlage verantwortlich. Alle großen Parteien hatten sich für Adamkus ausgesprochen. Paksas dagegen setzte im Wahlkampf auf populistische Töne: Niemand müsse mehr Angst vor Krankheit und Alter haben. Paksas versprach Rentenerhöhungen, verbesserte Sozialleistungen und den Kampf gegen die Korruption. Außerdem machte er sich für „Recht und Ordnung“ stark und forderte für Drogenhändler die Todesstrafe.

Nach seiner Wahl sicherte Paksas zu, außenpolitisch den Kurs der Westintegration fortzusetzen. Im Wahlkampf hatte er aber die Zugeständnisse der bisherigen Regierung bei den EUBeitrittsgesprächen kritisiert. Seine erste Reise soll den neuen Präsidenten daher nach Brüssel führen. Dort will er „die EU-Spitzen treffen und einige Punkte klären, die mich nicht zufrieden stellen". Der baltische Staat soll 2004 der EU und der Nato beitreten.

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