Politik : Litwinenko: Hamburger Polizei ermittelt Kontaktmänner

nun selbst krank

Matthias Thibaut/dpa

Hamburg/London - In die Ermittlungen zum Giftmord an dem russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko in London hat sich am Freitag auch die Hamburger Polizei eingeschaltet. Die Beamten riegelten am Abend das Wohnhaus des russischen Geschäftsmanns Dmitri Kowtun im Stadtteil Altona weiträumig ab. Ein Spezialtrupp mit Messgeräten sollte die Wohnung des Russen nach Spuren des radioaktiven Elements Polonium 210 durchsuchen. Britische und russische Medien hatten zuvor berichtet, dass der frühere Geheimdienstler und jetzige Geschäftsmann Kowtun am 1. November aus Hamburg zu einem Treffen mit seinem Kollegen Andrej Lugowoj und Litwinenko nach London geflogen sei. „Die Polizei Hamburg trifft alle Maßnahmen, um zu überprüfen, ob sich in der Wohnung des Kowtun Polonium 210 befindet“, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. „Möglicherweise hatte Kowtun mit der radioaktiven Substanz Polonium Kontakt.“ Kowtun und Lugowoj lagen nach Meldungen der Nachrichtenagentur Interfax vom Freitag nun selbst mit schwerer Strahlenkrankheit in einem Moskauer Krankenhaus.

Unterdessen scheint die Itsu Bar am Piccadilly Circus in London die Ehre, als Schauplatz des mysteriösen Mordes an Litwinenko gelten zu dürfen, dem Millennium Hotel am Grosvenor Square abtreten zu müssen. Nach der neuesten Theorie von Scotland Yard war die „Pine Bar“ des Luxushotels der Ort, wo Litwinenko am wahrscheinlichsten vergiftet wurde.

Sieben Mitarbeiter der Bar sind mit dem radioaktiven Giftstoff Polonium 210 kontaminiert, teilte die Gesundheitsbehörde in London mit. Hunderte Besucher der Bar wurden aufgefordert, sich zu melden und untersuchen zu lassen. Vier der sieben sollen Zeitungsberichten zufolge seit Tagen krank sein. „Sie haben rote Augen, als hätten sie Grippe. Man hat sie nach Hause geschickt. Sie haben Angst“, zitiert der „Telegraph“ einen Hotelangestellten. Unmittelbare Gefahr bestehe nicht, aber ein langfristig „leicht erhöhtes Krebsrisiko“, heißt es bei den Behörden.

Die Sushi-Bar galt als Tatort, weil Litwinenko dort vor dem Besuch des Millennium Hotels gewesen sein soll. Doch niemand vom Personal dort war kontaminiert, während die Kontamination der Hotelangestellten an die radioaktive Verseuchung von Litwinenkos Frau Marina heranreicht. Litwinenko hätte in der Bar mit einem Getränk oder einer präparierten Zigarette vergiftet worden sein können, sagte Michael Clarke von der Gesundheitsbehörde. „Wenn es eine Flüssigkeit war, könnte es eine kleine, magische Kapsel gewesen sein, wie bei James Bond.“ Anwesende in der Bar hätten die Dämpfe dann wohl eingeatmet. Poloniumspuren wurden an verschiedenen Stellen im Hotel gefunden, die stärkste Konzentration in einem Zimmer im vierten Stock, wo nach Hotelangaben „ein Russe“ wohnte.

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