Litwinenko-Mord : Russischer Geheimdienst ermittelt gegen Lugowoi

Gegen den russischen Geschäftsmann Andrej Lugowoi wird in Russland wegen Spionage ermittelt. Die britische Justiz hält den früheren Geheimdienstagenten verantwortlich für den Mord an dem Dissidenten Alexander Litwinenko.

Hamburg/MoskauRusslands Geheimdienst hat im Mordfall Litwinenko Ermittlungen wegen Spionageverdachts gegen den von der britischen Justiz als Mörder verdächtigten Andrej Lugowoi eingeleitet. Grund dafür sei Lugowois Behauptung, das Giftmordopfer Alexander Litwinenko habe in der Vergangenheit versucht, ihn (Lugowoi) für den britischen Geheimdienst anzuwerben, teilte der Inlandsgeheimdienst FSB nach Angaben der Agentur Interfax mit. Es bestehe deshalb ein Spionage-Verdacht gegen Lugowoi.

Der russische Geschäftsmann und frühere Geheimdienstagent Andrej Lugowoi hatte Ende Mai vor der Presse in Moskau jegliche Schuld am Tod seines Bekannten Litwinenko von sich gewiesen. Im Gegenzug behauptete Lugowoi, hinter dem Mord könnten der im Londoner Exil lebende Kreml-Kritiker Boris Beresowski und der britische Geheimdienst stehen. Die russischen Behörden verweigern die von London beantragte Auslieferung Lugowois.

Witwe glaubt an Aufklärung des Mordfalls

Der frühere KGB-Agent Litwinenko wurde Anfang November in London mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet und starb am 23. November an den Folgen. Die britische Justiz hat Andrej Lugowoi als Giftmörder ausgemacht und seine Auslieferung bei der russischen Regierung beantragt. Diese lehnte das Gesuch jedoch ab. Lugowoi hingegen beschuldigt den britischen Geheimdienst MI6, am Tod Litwinenkos beteiligt gewesen zu sein. Er war Anfang November, am Tag seiner Vergiftung, mit Lugowoi zusammengetroffen.

Die Witwe des Litwinenkos, Marina Litwinenko, glaubt an die Aufklärung des mysteriösen Falles. "Ich bin optimistisch, und die Hoffnung gibt mir die Kraft, das alles durchzustehen", sagte die 45-Jährige in Hamburg bei der Präsentation des Buches "Tod eines Dissidenten. Warum Alexander Litwinenko sterben musste". Gemeinsam mit dem langjährigen Freund der Familie, Alex Goldfarb, zeichnet sie in dem 432-seitigen Werk den Lebensweg ihres Mannes nach und erläutert die politischen Hintergründe des Mordes.

Marina Litwinenko bezeichnete den Anschlag auf ihren Mann als "terroristischen Anschlag auf die Menschen in London". Sie vertraue den britischen Behörden bei den Ermittlungen und wolle mit ihrem Weg an die Öffentlichkeit bewirken, "das so etwas nie wieder mit irgendjemandem passiert". (mit ddp und dpa)

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