Politik : Litwinenkos Witwe glaubt an Aufklärung

Hamburg/Moskau - Die Witwe des ermordeten Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko, Marina Litwinenko, glaubt an die Aufklärung des mysteriösen Falles. „Ich bin optimistisch, und die Hoffnung gibt mir die Kraft, das alles durchzustehen“, sagte die 45-Jährige am Freitag in Hamburg bei der Präsentation des Buches „Tod eines Dissidenten. Warum Alexander Litwinenko sterben musste“. Gemeinsam mit dem langjährigen Freund der Familie, Alex Goldfarb, zeichnet sie in dem 432-seitigen Werk den Lebensweg ihres Mannes nach und erläutert die politischen Hintergründe des Mordes.

Der frühere KGB-Agent Litwinenko wurde Anfang November in London mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet und starb am 23. November an den Folgen. Die britische Justiz hat den russischen Geschäftsmann und früheren Geheimdienstagenten Andrei Lugowoi als Giftmörder ausgemacht und seine Auslieferung bei der russischen Regierung beantragt. Diese lehnte das Gesuch jedoch ab. Lugowoi hatte Ende Mai vor der Presse in Moskau jegliche Schuld am Tod seines Bekannten Litwinenko von sich gewiesen. Im Gegenzug behauptete Lugowoi, hinter dem Mord könnten der im Londoner Exil lebende Kreml-Kritiker Boris Beresowski und der britische Geheimdienst stehen. Nach Aussage Lugowois hätten die Briten sowohl Litwinenko wie auch Beresowski angeworben. Nach Angaben der Agentur Interfax ermitteln inzwischen auch die russischen Behörden gegen Lugowoi wegen des Verdachts der Spionage. Grund dafür sei Lugowois Behauptung, Litwinenko habe in der Vergangenheit versucht, Lugowoi für den britischen Geheimdienst anzuwerben, teilte der FSB in Moskau nach Angaben von Interfax mit. Nach den Angaben wird nicht gegen Lugowoi direkt ermittelt. Namen nannte der Geheimdienst nicht.

Marina Litwinenko fällt es schwer, „eine Person zu beschuldigen“.Sie glaubt nicht, „dass Putin höchstpersönlich den Befehl gegeben hat“, aber „eine Verbindung bis in höchste Kreise“ existiere. Goldfarb zufolge hat sich in den vergangenen Jahren in London um Putin-Feind Boris Beresowski „das Mekka der russischen Dissidenten“ formiert, in dessen „Mitte“ man mit der Ermordung Litwinenkos vorstoßen wollte. dpa/ddp

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