Live-Ticker : So verlief der europäische Wahlabend

Nach Auszählung von etwa einem Drittel der Stimmen in Griechenland liegen die beiden Regierungsparteien vorn. Die Franzosen haben Nicolas Sarkozy abgewählt. Verfolgen Sie die Ereignisse des europäischen Wahlabends im Live-Ticker.

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Anstehen für die Wahl. In diesem Wahllokal in Athen herrscht Andrang. Im Oktober 2009 war die Wahlbeteiligung auf einen historischen Tiefstand von knapp über 70 Prozent gesunken. Erste Berichte deuteten nun aber auf eine höhere Beteiligung hin.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2012 17:52Anstehen für die Wahl. In diesem Wahllokal in Athen herrscht Andrang. Im Oktober 2009 war die Wahlbeteiligung auf einen...

23:20 Bundeskanzlerin Angela Merkel François Hollande telefonisch zum Sieg gratuliert. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagabend in Berlin mit. Beide seien sich einig gewesen, wie wichtig enge deutsch-französische Beziehungen seien. Merkel und Hollande hätten einander versichert, dass sie eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit anstreben. Die CDU-Chefin lud Hollande ein, möglichst bald nach seiner Amtseinführung nach Berlin zu kommen.

22:30 Nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen ist François Hollande bei der französischen Präsidentschaftswahl auf einen Anteil von 51,32 Prozent gekommen. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy lag bei 48,68 Prozent, wie das Innenministerium in Paris bekannt gab. Ungültig waren 6,04 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 81,32 Prozent.

22:15 EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Frankreichs neuen Staatschef François Hollande zu dessen Wahltriumph beglückwünscht. „Ich gratuliere François Hollande herzlich zu diesem wichtigen Sieg und wünsche ihm viel Erfolg für seine gewaltigen Aufgaben“, erklärte er am Sonntagabend. Auf die Überzeugung und das persönliche Engagement des Sozialisten für weitere Fortschritte bei der europäischen Integration könne er sich verlassen, dies habe schon ein gemeinsames Treffen im vergangenen November gezeigt.

Zugleich würdigte Barroso die Verdienste des scheidenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. „Zusammen haben wir Großes erreicht“, sagte der Portugiese und erinnerte unter anderem an die französische EU-Ratspräsidentschaft 2008, die „ein Modell an Willensstärke, politischem Ehrgeiz und gelungener Zusammenarbeit mit der Kommission“ gewesen sei. Zudem habe sich Sarkozy als „glühender Verfechter des Euro“ verdient gemacht und gehöre zu den „Architekten einer neuen europäischen Wirtschaftsregierung“.

21:57 Nach der Parlamentswahl in Griechenland kommen die beiden Koalitionsparteien Nea Dimokratia (ND) und Pasok aller Voraussicht nach auf eine knappe eigene Mehrheit. Am Sonntagabend lagen die beiden Parteien, die gemeinsam das umstrittene Sparprogramm durchgesetzt hatten, nach Auszählung von etwa einem Drittel der Stimmen, bei 160 Sitzen. 151 Mandate sind für die absolute Mehrheit im griechischen Parlament nötig.

21:30 "Die Franzosen haben den Wechsel gewählt", ruft François Hollande seinen Anhängern in Tulle zu. "Ich weiß, welche Erwartungen an mich gestellt werden. Ich sende meine republikanischen Grüße an Nicolas Sarkozy, der unseren Respekt verdient." Er verspricht der Präsident aller Franzosen zu sein. "Zu viele finanzielle Einschnitte haben das Land geteilt, damit werden wir Schluss machen", sagt Frankreichs zukünftiger Präsident, er wolle das Land aus der Krise führen. "Heute haben die Franzosen mich gewählt", sagt er. "Ich werde zwei Versprechen einlösen: Gerechtigkeit und das Versprechen gegenüber der Jugend. Alle meine Entscheidungen werden darauf basieren, dass sie gerecht sein sollen. Daran werde ich mich am Ende meiner Amtszeit messen." Hollande schließt, wie sollte es anders sein, mit den Worten: "Vive la France" - Es lebe Frankreich!

21:02 Weiter spannend - und noch immer unübersichtlich - ist die Lage in Griechenland. Aktuell hoffen die beiden Koalitionsparteien Nea Dimokratia (ND) und Pasok auf eine äußerst knappe Mehrheit. Momentan liegen die beiden Parteien, die gemeinsam das umstrittene Sparprogramm durchgesetzt hatten, im Bereich von 151 Sitzen, die für die Mehrheit nötig sind. Eine genaue Zuordnung der Mandate ist noch nicht möglich. Nach Auszählung von knapp 16 Prozent der Stimmen kam die konservative Nea Dimokratia als stärkste Partei auf 21 Prozent. Das Bündnis der Radikalen Linken, das das Sparpaket mit den ausländischen Geldgebern neu verhandeln will, lag als zweitstärkste Kraft bei 15,17. Dramatische Verluste verzeichnete der Wahlsieger von 2009, die sozialdemokratische Pasok, als drittstärkste Kraft mit 14,7 Prozent. Dahinter folgen die konservativen Unabhängigen Griechen (10,2 Prozent), die als möglicher Koalitionspartner gehandelt werden. Hinter den Kommunisten (KKE/8,2 Prozent) schafft erstmals die faschistische Goldene Morgenröte (6,7 Prozent) den Sprung ins Parlament. Die Demokratische Linke (DA), ein weiterer potenzieller Koalitionspartner, kommt auf 6 Prozent.

20:47 Die Opposition in Berlin wertet das Wahlergebnis in Frankreich als Signal gegen eine womöglich zu strikte europäische Sparpolitik. „Wir werden Europa nicht aus der Krise führen können, wenn wir nur auf Spardiktate setzen“, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Dafür werde es künftig mit Hollande jemanden geben, der dies in Europa zum Thema machen werde. Neben dem Sparen sei es notwendig, neue Impulse für Wachstum und Arbeit in der EU zu setzen. Die Franzosen hätten die Nase voll von Präsident Nicolas Sarkozy. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat den Wahlsieg Hollandes begrüßt. Damit eröffne sich die Chance, Europa aus seiner Krise herauszuführen, anstatt ganze Gesellschaften kaputtzusparen, sagte er. „Das Ende von Merkozy ist ein guter Tag für Europa und ein schwarzer Tag für Merkel“, fügte er mit Blick auf den Euro-Stabilisierungskurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem bisherigen Präsidenten Nicolas Sarkozy hinzu. Die Wahlen in Frankreich und auch in Griechenland seien ein klares Votum dafür, dass Europa die soziale Balance nicht verlieren dürfe.

Jubel und Trauer nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich:

Jubel und Trauer nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich
Er geht: Nicolas Sarkozy, scheidender Präsident Frankreichs.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2012 16:47Er geht: Nicolas Sarkozy, scheidender Präsident Frankreichs.

20:28 Frankreichs scheidender Präsident Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage eingestanden. „Frankreich hat einen neuen Präsidenten (...). François Hollande ist Präsident der Republik und muss respektiert werden“, sagte Sarkozy. Er habe mit ihm telefoniert und ihm für das Amt Glück gewünscht, erklärte er in Paris vor seinen Anhängern. "Ich habe alles dafür getan, dass unsere Ideen siegen", sagte der abgewählte Präsident. "Aber ich habe es nicht geschafft, die Mehrheit der Franzosen zu überzeugen." Er selbst trage die alleinige Verantwortung für die Niederlage, sagte Sarkozy in einer Rede, in der er auch seinen zuvor bereits angekündigten Abschied aus der Politik bestätigte: „Nach 35 Jahren in der Politik wird mein Platz nicht mehr derselbe sein. Mein Leben wird ein anderes sein“, sagte er. "Ich bin nun wieder ein Bürger unter Bürgern."

20:15 Als eine der ersten Sozialisten äußert sich die frühere Lebensgefährtin des französischen Wahlsiegers François Hollande erfreut über das Wahlergebnis: „Die Franzosen können ihm vertrauen“, sagte Ségolène Royal am Sonntagabend im Fernsehsender France 2 über Hollande, den Vater ihrer vier Kinder. Royal selbst hatte die Präsidentschaftswahl 2007 gegen Nicolas Sarkozy verloren, inzwischen leben sie und Hollande getrennt.

20:00 Die ersten offiziellen Zahlen sind da: Mit 51,8 Prozent der Stimmen hat François Hollande die Stichwahl demnach gewonnen, für Nicolas Sarkozy haben 48,2 Prozent der Wähler votiert.

19:55 Nur noch wenige Minuten bis zu den ersten offiziellen Ergebnissen - doch die Anhänger von Hollande feiern ohnehin schon. Tausende sind zum Parteisitz der Sozialisten in Paris gekommen, sie schwenken Fahnen mit der roten Rose und rufen „changement, changement“ - „Wechsel“.

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