Live-Ticker zum Nachlesen : Kandidatenkür: SPD will mit Steinbrück in die Wahl ziehen

Noch einmal sind sie gemeinsam aufgetreten als Troika. Doch nun ist die Kanzlerkandidatenfrage geklärt. Peer Steinbrück soll es für die SPD machen und der freut sich auf den Wahlkampf. Lesen Sie unseren Ticker zur Kandidatenkür in der SPD.

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Die Troika hat ausgedient: Peer Steinbrück (Mitte) wird Kanzlerkandidat der SPD.
Die Troika hat ausgedient: Peer Steinbrück (Mitte) wird Kanzlerkandidat der SPD.Foto: dpa

Peer Steinbrück, nun Kanzlerkandidat der SPD, freut sich auf den Wahlkampf. Für ihn sei das nicht nur eine Pflicht oder eine Bürde, sondern "das kann auch Spaß machen". Steinbrück verweist auf den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der in Wahlkampf immer aufgeblüht sei. Und er kündigt sein politisches Ziel an: "Wir wollen die Bundesregierung ablösen und das nicht nur teilweise, sondern wir wollen sie durch eine rot-grüne Koalition ersetzen."

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Laut SPD-Chef Sigmar Gabriel sollten die „Bändigung der Finanzmärkte“ und ein „neues soziales Gleichgewicht für Deutschland“ die Wahlkampftehmen werden. "Und für dieses Ziel und diese Aufgabe ist Peer Steinbrück der beste Kanzler, den Deutschland finden kann.“ Deshalb sei er auch der beste Kanzlerkandidat der SPD.

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Frank-Walter Steinmeier sichert Peer Steinbrück Unterstützung zu: "Lieber Peer, das verspreche ich Dir: Ich werde mich so engagieren als wäre es mein Wahlkampf."

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Sigmar Gabriel: "Ich werde Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten der SPD vorschlagen." Dafür bekommt er im Willy-Brandt-Haus Applaus. Der SPD-Parteichef betont, dass für ihn bereits im Frühjahr 2011 festgestanden habe, dass entweder Peer Steinbrück oder Frank-Walter Steinmeier antreten sollten. Er sei immer für eine Trennung der Ämter SPD-Parteichef und Kanzler(-kandidat). Er habe die beiden um Stellungnahmen gebeten, ob sie zur Verfügung stünden. Vor vier Wochen habe dann Steinmeier ihm gesagt, dass er nicht noch einmal antreten wolle und Steinbrück habe ihm gesagt, dass er antreten will. Gabriel sagte, dass er gerne erst die Inhalte geklärt hätte (Rente) und dann den Kandidaten auf dem Parteikonvent am 24. November präsentiert. "Doch manchmal kommt das Leben anders, sonst wäre es ja langweilig", sagt Gabriel. Auch habe Steinmeier nur mühsam dem Druck standhalten können, sich nicht zu äußern. Vor zwei Wochen habe sich Gabriel mit Steinbrück in Hannover getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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Eigentlich wollte die SPD noch bis Anfang 2013 warten. Am liebsten sogar bis nach der Landtagswahl in Niedersachsen Ende Januar. Doch daraus wurde nichts. Der Druck, den Kandidaten jetzt zu bestimmen wurde immer größer. Jetzt soll es also Peer Steinbrück sein. Um 15:15 Uhr wollen der neue Kandidat und seine ehemaligen Troika-Mitglieder SPD-Chef Sigmar Gabriel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier im Willy-Brandt-Haus vor die Presse treten.

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Am Morgen ist in der SPD hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. Denn auch Parteichef Sigmar Gabriel soll von der Entscheidung Steinmeiers, nicht antreten zu wollen, überrascht worden sein. Der Parteichef war schon auf dem Weg nach Bayern. Doch er kehrte um und es gab den ganzen Tag über viele Telefonate. Die Parteilinken schalteten sich zusammen und auch der Parteivorstand. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung hat SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier in dieser Telefonschalte seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur begründet. Demnach sagte er: „Ich habe vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, nicht anzutreten. Es ist eine persönliche Entscheidung. Jetzt werde ich alles dafür tun, damit Steinbrück Kanzler wird.“ Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll auch Steinbrück dabei gewesen sein und gesagt haben: "Das Programm muss zum Kandidaten passen und der Kandidat zum Programm."

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Die Kanzlerin, Angela Merkel, hat schonmal klar gemacht, dass sie keine Vorlieben hat. "Die Bundeskanzlerin wird sich jedem Kandidaten stellen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er sagte auch, dass die Kanzlerin mit Steinbrück sehr eng zusammengearbeitet, als dieser noch Finanzminister in der großen Koalition war.

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Die pragmatischen Netzwerker in der SPD begrüßen die Wahl Steinbrücks. „Er ist eine ausgezeichneteWahl. Seine Fachkompetenz, seine klaren und ehrlichen Worte und seine Geradlinigkeit haben ihn das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger weit über die Parteigrenzen der SPD gewinnen lassen. Mit ihm setzten wir auf Sieg“, sagte Netzwerk-Sprecher Christian Lange.

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Die FDP frohlockt. Zumindest Teile der FDP, wie beispielsweise Wolfgang Kubicki. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef glaubt nämlich an neue Optionen für die Liberalen wegen der Nominierung von Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat. „Steinbrück ist für mich der einzige echte Herausforderer von Angela Merkel“, sagte Kubicki. „Ich glaube, dass Peer Steinbrück für die FDP neue Optionsräume eröffnet.“ Er verstehe sich mit Steinbrück seit Jahrzehnten gut, berichtete Kubicki. Der Liberale sprach von einer klugen Entscheidung der SPD, „weil sie damit deutlich macht, dass sie nicht auf Platz, sondern auf Sieg setzt“. Steinbrück habe in seiner Zeit als Bundesfinanzminister die Finanzkrise gemeinsam mit Merkel „für Deutschland einigermaßen vernünftig gemanagt“. Damit habe er sich bei vielen Menschen ein großes Renommee erworben. „Ich glaube, dass eine SPD unter Führung von Peer Steinbrück - anders als es gegenwärtig scheint - deutlich pragmatischer ist, als es die Ideologen der SPD gegenwärtig wahrhaben wollen“, sagte Kubicki weiter. Unter Steinbrücks Führung könnten gemeinsam mit der SPD Problemlösungen gefunden werden, „an die manche heute noch gar nicht denken“.

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Auch die Wissenschaft meldet sich zu Wort: Der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer sagt: "Steinbrück ist sicher der gefährlichste Kandidat, weil er die Wähler in der bürgerlichen Mitte ansprechen kann."

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Die CDU reagiert gelassen. "Steinbrück hat bislang immer nur Wahlen verloren. Er wird Schwierigkeiten haben, die SPD-Basis zu mobilisieren", sagte CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder Spiegel Online.

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Und auch die Grünen sind froh, dass das Thema Kandidatensuche beim möglichen Koalitionspartner endlich vorbei ist. "Es ist gut für den Wahlkampf und schlecht für Bundeskanzlerin Angela Merkel, wenn die SPD heute ihre lähmende Kandidatenfrage klärt", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.

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Sigmar Gabriel, der zuvor auch als möglicher Kanzlerkandidat im Rennen war, äußert sich am Freitag bei der Nominierung: „In der SPD ist alles wie früher: Am Ende behält Helmut Schmidt immer Recht“.

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Auch Parteikollege und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat sich erfreut gezeigt. „Ich bin begeistert. Er ist der richtige Kandidat und ich beglückwünsche ihn sehr“, sagte Albig am Freitag in Kiel. Er fügte hinzu: „Er wird ein starker Kandidat und ein sehr starker Kanzler sein. Peer Steinbrück ist klug, klar und ehrlich.“

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Die hessischen Grünen begrüßen die Entscheidung für Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat ebenfalls. „Es ist gut, dass Steinbrück jetzt antritt. Denn die Regierung hat dafür, wie schlecht sie ist, wieder viel zu gut dagestanden. Das hat auch viel mit der Kanzlerkandidatendebatte und bisherigen Unsortiertheit der SPD zu tun“, sagte der hessische Fraktions- und Landeschef Tarek Al-Wazir dem "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe). Für die Grünen gebe es mit dem SPD-Konservativen Steinbrück auch „die Chance, die rot-grünen Wechselwähler auf unsere Seite zu ziehen“, sagte Al-Wazir.

(mit dapd)

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