• Liveticker zum Anschlag auf "Charlie Hebdo" : Houellebecq will islamkritischen Roman nicht mehr bewerben

Liveticker zum Anschlag auf "Charlie Hebdo" : Houellebecq will islamkritischen Roman nicht mehr bewerben

Einen Tag nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" begann auch der Donnerstag blutig in Paris. Lesen Sie die Geschehnisse vom Donnerstag in unserem Liveticker noch einmal nach.

von , , und
Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq.
Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq.Foto: AFP

Am Tag nach dem Attentat auf die französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" wurde am Morgen eine Polizistin in Paris erschossen. Außerdem läuft die Suche nach den Attentätern auf Hochtouren und weltweit gibt es Trauer und Solidarität.

00:00 Uhr: Ende des Liveticker

Wir beenden für heute den Liveticker zu den Geschehnissen rund um den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo". Neue Informationen finden Sie aktuell auf tagesspiegel.de

23:40 Uhr: Ein Paris-Attentäter war zu Terror-Training im Jemen

Einer der beiden islamistischen Attentäter von Paris ist nach Informationen des TV-Senders CNN zum Terror-Training im Jemen gewesen. Dort habe er vor wenigen Jahren an der Ausbildung örtlicher Al-Kaida-Einheiten teilgenommen. Dies hätten französische Sicherheitskräfte ihren US-Kollegen mitgeteilt, berichtete CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Einzelheiten wurden nicht genannt. Zugleich hieß es, auch die USA hätten die beiden Attentäter im Visier gehabt. So hätten die beiden Franzosen unter anderen auf einer No-Fly-Liste gestanden, was ihnen Flüge in den USA untersagte. Im Jemen beherrscht die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ganze Landstriche und verübt immer wieder schwere Anschläge, zuletzt vor allem auf die schiitischen Huthis.

23:05 Uhr: Solidaritätsbekundung auch aus dem Gazastreifen

22:45 Uhr: Houellebecq will islamkritischen Roman nicht mehr bewerben

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq will seinen islamkritischen Roman „Soumission“ (Unterwerfung) zunächst nicht mehr bewerben. Der Autor sei tief betroffen vom Tod seines Freundes Bernard Maris, der bei dem Mordanschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ getötet wurde, sagte Houellebecqs Agent am Donnerstagabend. Nach Informationen des Nachrichtensenders France Info will der Schriftsteller Paris in Richtung eines geheim gehaltenen Orts verlassen. Sein Agent wollte dies laut AFP aber nicht bestätigen.

Der Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten wurde am Mittwoch am Tag des Erscheinens des Buches verübt. Houellebecq beschreibt darin das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. Die Ausgabe von „Charlie Hebdo“ vom Mittwoch hatte eine Karikatur über den Autor auf der Seite eins.

22:40 Uhr: Polizei zieht sich nach Suchaktion aus Wald zurück

Die Polizei hat nach einem Zeitungsbericht ihre Suche nach den islamistischen Attentätern in einem Wald in Nordfrankreich beendet. Wie das Blatt „Le Monde“ schreibt, seien zahlreiche Polizeiautos am späten Donnerstagabend abgefahren. Über die Ergebnisse der Fahndung in dem Waldstück bei Longpont in der Picardie sei aber noch nichts bekannt. Ob sich das Großaufgebot der Polizei nun ganz aus der Gegend zurückzieht, war ebenfalls noch unklar.

„Le Monde“ berichtete weiter, es sei nicht bestätigt, dass das Fluchtauto der Attentäter dort tatsächlich gefunden wurde. Mehrere Medien hatten über den Fund berichtet. Nach Informationen der Zeitung haben am Morgen gegen 9.30 Uhr zwei Männer eine Tankstelle bei Villers-Cotterêt überfallen. Es sollen nach Darstellung des Besitzers der Tankstelle die Attentäter gewesen sein. Seitdem gebe es aber keinen Hinweis darauf, wo sich die Brüder Chérif (32) und Said (34) Kouachi befinden.

22:20 Uhr: Parteien und Gewerkschaften rufen zu Solidaritätsmarsch auf

Parteien, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen haben die Franzosen zu einem Solidaritätsmarsch am Sonntag aufgerufen. In einem gemeinsamen Text, der am Donnerstagabend veröffentlicht wurde, heißt es: „Wir sind Charlie - lasst uns die Werte der Republik verteidigen.“ Mit dabei sind die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande sowie die konservative UMP von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy. Der Anschlag islamistischer Terroristen mit zwölf Toten stelle die republikanischen Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit infrage. Die rechtsextreme Front National wurde nicht zu dem Bündnis eingeladen. Parteichefin Marine Le Pen beklagte, die FN werde als einzige Partei ausgeschlossen.

22:00 Uhr: Französische Regierung verurteilt islamfeindliche Übergriffe

Die französische Regierung hat islamfeindliche Übergriffe scharf verurteilt. Die Regierung werde "keine Tat, keine Drohung" gegen muslimische Einrichtungen tolerieren, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Donnerstagabend in Paris. Wer solche Taten begehe, werde "gesucht, festgenommen und bestraft". Nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten waren an mehreren Orten in Frankreich muslimische Einrichtungen attackiert worden. So wurden eine Moschee im nordwestfranzösischen Mans sowie ein muslimischer Gebetsraum im südfranzösischen Port-la-Nouvelle in der Nacht auf Donnerstag beschossen. Vor einem Kebab-Laden nahe einer Moschee im ostfranzösischen Villefranche-sur-Saône gab es eine Explosion. Verletzt wurde bei den Angriffen niemand. Die Behörden vermuten hinter einigen der Angriffe Racheakte nach dem "Charlie Hebdo"-Attentat.

21:40 Uhr: In Frankreich mehren sich die Verschwörungstheorien

Warum liegt der Personalausweis von einem der Attentäter im Fluchtauto? Warum verliert der andere seine Schirmmütze? Und warum können zwei Männer einen ganzen Sicherheitsapparat austricksen?

David, ein Handwerker aus dem Norden von Paris, ist sich sicher: Auch die Regierung steckt hinter den Attacken. "Die Zeichner von Charlie Hebdo stehen seit Jahren unter Polizeischutz", analysiert David, "plötzlich ist er weg!" Auf die Frage, was die Regierung von all der Gewalt habe, kommt keine Antwort. Aber es sei möglich, dass zumindest der "Islamische Staat" in Syrien das Ganze koordiniert hat?

Im Netz diskutieren User über die Karikatur vom IS-Führer al-Baghdadi, die anscheinend nur Minuten vor dem Attentat auf dem offiziellen Twitter-Profil von Charlie Hebdo auftauchte. Wussten die Zeichner von der anstehenden Tat? Und warum kündigt eine andere Karikatur eine Terrorattacke im Januar an? Off- wie online überbieten sich die Franzosen, mit mal mehr und mal weniger logischen Theorien.

Solange die Täter noch nicht gefasst sind, werden diese Verschwörungstheorien wohl nicht verschwinden.

21:20 Uhr: „Es braucht nur einen, der durchbrennt“

Tagesspiegel-Karikaturist Klaus Stuttmann kennt es, wegen Zeichnungen bedroht zu werden. Den Missbrauch von Religion will er weiter kritisieren – aber nicht um jeden Preis. Lesen Sie hier das komplette Interview.

21:00 Uhr: Erneut falscher Bombenalarm in Madrid: U-Bahnstation evakuiert

In Madrid mehren sich die Evakuierungen aufgrund falscher Bombenalarme. Wegen eines verdächtigen Pakets wurde am Donnerstag der Bahnhof Nuevos Ministerios im Geschäfts- und Finanzzentrum der spanischen Hauptstadt geräumt. Der Verkehr mehrerer Linien der U- und Vorort-Bahn sei bis kurz vor 19.00 Uhr eine gute Stunde teilweise unterbrochen worden, berichteten Medien unter Berufung auf die zuständigen Behörden. Der Inhalt des Pakets habe sich dann als harmlos erwiesen. Wenige Stunden nach dem Pariser Anschlag waren am Mittwoch in Madrid bereits die Redaktionsräume der Renommierzeitung „El País“ und anderer kleinerer Blätter evakuiert worden. Ein Mann, der einige dieser verdächtigen Pakete zurückgelassen oder abgegeben habe, sei inzwischen festgenommen worden, teilte das Madrider Innenministerium am Donnerstagabend auf Twitter mit.

20:35 Uhr: Innenminister: Neun Verdächtige nach Terroranschlag in Gewahrsam

Die französische Polizei hat inzwischen neun Verdächtige aus dem Umfeld der Attentäter festgenommen. Das gab Innenminister Bernard Cazeneuve am Donnerstagabend bekannt. Am Morgen waren es laut Medienberichten erst sieben gewesen. Die Polizei sucht als Hauptverdächtige die beiden Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34). Der nach dem Anschlag ebenfalls gesuchte 18 Jahre alte Schwager der beiden Brüder hatte sich am Mittwochabend der Polizei gestellt.

20:20 Uhr: Berlin gedenkt der Opfer in Paris

Vor der französischen Botschaft in Berlin-Mitte versammeln sich auch am Donnerstagabend viele Menschen und legen Blumen nieder.
Vor der französischen Botschaft in Berlin-Mitte versammeln sich auch am Donnerstagabend viele Menschen und legen Blumen nieder.Foto: dpa

20:00 Uhr: Verdunkeltes Wahrzeichen

Die Beleuchtung am Eiffelturm in Paris wurde ausgeschaltet.

Der Eiffelturm am Abend ohne Beleuchtung.
Der Eiffelturm am Abend ohne Beleuchtung.Foto: AFP

19:45 Uhr: Erika Steinbachs geschmackloser Tweet

Ein Tweet der CDU-Abgeordneten Erika Steinbach zum Anschlag in Paris sorgt für einen Shitstorm im Netz - und könnte juristische Folgen haben: Der Verleger und "Die Partei"-Funktionär Jens Bolm hat Steinbach angezeigt. Lesen Sie hier mehr darüber.

19:20 Uhr: Internationale Beratungen zu Terrorgefahren in Paris
Nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" findet am Sonntag in Paris ein internationales Treffen zum Kampf gegen den Terrorismus statt. US-Justizminister Eric Holder werde an den vom französischen Innenminister Bernard Cazeneuve anberaumten Gesprächen teilnehmen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Regierungskreisen in Washington. Bei den Gesprächen werde es unter anderem um die Bedrohung durch ausländische Kämpfer gehen, die sich den Dschihadistengruppen in Syrien und im Irak angeschlossen haben.

18:27 Uhr: Front National von geplanten Solidaritätsmarsch ausgeschlossen

Der Front National um die Parteichefin Marine Le Pen ist von einem für Samstag geplanten Solidaritätsmarsch ausgeschlossen worden. Sie sagte daraufhin, dass dies zeige, dass es keine einheitliche französische Nation gebe. Mehr zu Marine Le Pen und wie sie den Terroranschlag instrumentalisiert lesen Sie hier.

18:20 Uhr: Ausgabe von "Charlie Hebdo" für horrende Summen bei Ebay

Exemplare der Wochenzeitung - nach dem Anschlag am Mittwoch rasend schnell an den Kiosken ausverkauft - wurden auf der Auktionsplattform Ebay in der Rubrik "Sofort-Kaufen" für teilweise 100.000 Euro angeboten. Bei Versteigerungen lagen die Gebote für das "Charlie Hebdo"-Heft Nummer 1177 am Donnerstagnachmittag in einem Fall bei 75.000 Euro. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeitung letztlich tatsächlich zu dem Preis verkauft wird, weil der Höchstbietende noch einen Rückzieher machen kann. "Charlie Hebdo" war diese Woche mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren in den Handel gekommen.

18:17 Uhr: Dunkler Eiffelturm

Um 20 Uhr soll das Licht am Eiffelturm in Paris ausgehen - aus Protest und Trauer.

"Charlie Hebdo": die Fahndung, die Ereignisse
Der Moment des Zugriffs der Sicherheitskräfte beim Supermarkt in VincennesWeitere Bilder anzeigen
1 von 80
09.01.2015 15:23Der Moment des Zugriffs der Sicherheitskräfte beim Supermarkt in Vincennes
» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

192 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben