• Liveticker zur Krise in Griechenland: Athen bittet IWF um Verlängerung der Rückzahlungsfrist

Liveticker zur Krise in Griechenland : Athen bittet IWF um Verlängerung der Rückzahlungsfrist

Griechenland kämpfte auch am Dienstag um den Verbleib in der Eurozone: Athen schlug kurz vor dem Auslaufen des Hilfsprogramms eine zweijährige Überbrückung mit Mitteln aus dem Europäischen Rettungsfonds ESM vor. Aber die Euro-Finanzminister lehnten ab. Dennoch wurden für Mittwoch neue Beratungen angekündigt. Lesen Sie die Ereignisse im Liveticker nach.

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Tausende Griechen demonstrieren am Dienstagabend auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament für ein Ja beim Referendum. dpa
Tausende Griechen demonstrieren am Dienstagabend auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament für ein Ja beim Referendum.Foto: SIMELA PANTZARTZI/dpa

Für Griechenland ist der heutige Dienstag ein Schicksalstag. In letzter Minute soll noch eine Lösung gefunden werden. Nach Tagesspiegel-Informationen könnte Alexis Tsipras noch heute Abend in ein Flugzeug nach Brüssel steigen. Um Mitternacht lief die Frist für das Hilfsprogramm aus.

Lesen Sie die Ereignisse des Tages in unserem chronologischen Liveticker nach:

00.00 Uhr: Frist ist abgelaufen: Griechenland hat den Kredit für das Hilfspaket nicht rechtzeitig bedient. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Morgen will Athen der Eurogruppe neue Vorschläge zur Lösung der Krise vorlegen. Die Finanzminister der Euro-Länder haben eine Telefonkonferenz für 11.30 Uhr vereinbart, um diese Vorschläge zu diskutieren.

23.04 Uhr: US-Börsen erholen sich nur wenig von Kursrutsch: Die US-Börsen haben sich am Dienstag nur wenig vom Kursrutsch zum Wochenauftakt erholt. Der griechische Schuldenstreit hielt auch die Anleger an der Wall Street weiter auf Trab. Es gebe aber immer noch die Aussicht, dass es zu einer Übereinkunft Griechenlands mit seinen Gläubigern komme, sagte David Moss, Leiter Europäische Aktien beim Vermögensverwalter BMO Global Asset Management.
Der Dow Jones Industrial schloss nach zwischenzeitlich deutlicheren Gewinnen 0,13 Prozent fester bei 17 619,51 Punkten. Am Vortag war der New Yorker Leitindex um fast 2 Prozent abgesackt und hatte damit den größten Tagesverlust seit Oktober 2014 verbucht.

22.32 Uhr: Rating-Agentur senkt Kreditwürdigkeit von Griechenland: Die US-Ratingagentur Fitch senkte die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf die Note CC und begründete dies mit dem Scheitern der Verhandlungen mit den Geldgebern sowie mit dem für Sonntag angesetzten Referendum über die Reformforderungen der Gläubiger.

22.11 Uhr: Athen bittet IWF um Verlängerung der Rückzahlungsfrist: Die griechische Regierung hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Verlängerung der Frist für die fällige Rückzahlung von Krediten gebeten. Der auch für Wirtschaft und Finanzen zuständige Vize-Regierungschef Giannis Dragasakis sagte am Dienstagabend im griechischen Fernsehen, die Regierung habe um eine Fristverlängerung bis November gebeten.

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte eine "Gnadenfrist" für Athen allerdings bereits klar ausgeschlossen.

Überzeugungstäter. Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble werben beide für ein starkes Europa – verlieren die nationalen Interessen aber nie aus den Augen. Foto: AFP
Überzeugungstäter. Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble werben beide für ein starkes Europa – verlieren die nationalen...Foto: AFP

Wenn Sie mehr zu Christine Lagarde und ihrer intensiven Beziehung zu Wolfgang Schäuble erfahren wollen, können Sie hier die Seite 3 zur "Freundschaft zweier Krisenmanager" lesen.

21.57 Uhr: Morgen Vormittag telefoniert die Eurogruppe weiter: Die Telefonkonferenz der Euro-Gruppe beginnt morgen um 11.30 Uhr (MESZ). Dabei solle der "Stand der Dinge" in Griechenland beraten werden, sagte ein Sprecher.

21.24 Uhr: Athen bietet angeblich an, Referendum abzusagen: Aus Euro-Zonen-Kreisen verlautet, die griechische Regierung habe der Euro-Gruppe angeboten, sich für ein "Ja" beim Referendum einzusetzen oder die Volksabstimmung abzusagen, wenn man sich auf neue Finanzhilfen verständigen könne.
21.11 Uhr: Emotionaler Appell von Sigmar Gabriel: "Meine Sorge ist, dass das, was unsere Eltern und Großeltern jahrzehntelang aufgebaut haben, von dem sie wussten, dass es Sicherheit und Stabilität und Frieden schafft, dass das auf einmal in unseren Händen zerrinnt, weil Europa einen anderen Aggregatzustand bekommt, von fest in flüssig. Und ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir in unserer Generation dieses Erbe nicht verspielen. Dazu müssen aber alle beitragen, das können wir Deutschen nicht allein", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei der Verleihung des TDF-Gründerpreises zur Lage in Griechenland.

20.25 Uhr: Telefonkonferenz beendet: Die Euro-Finanzminister haben die Bitte Griechenlands um Verlängerung des um Mitternacht auslaufenden Hilfsprogramms abgelehnt. Dies teilte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Dienstagabend mit. Damit verliert das pleitebedrohte Land endgültig den Zugriff auf Hilfsmittel von insgesamt rund 18 Milliarden Euro. Für eine erneute Verlängerung des Programms sei es zu spät, sagte Dijsselbloem.

Fester Händedruck: Der griechische Premier Alexis Tsipras (r) und der niederlandische Finanzminister und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem begrüßen sich am 30.01.2015 in Athen. dpa
Fester Händedruck: Der griechische Premier Alexis Tsipras (r) und der niederlandische Finanzminister und Eurogruppenchef Jeroen...Foto: dpa

Die Euro-Gruppe hatte nur rund eine Stunde zu dem Thema beraten. Nach Angaben Dijsselbloems wird die griechische Regierung am Mittwoch einen neuen Vorschlag übermitteln. Die Bitte um ein neues Programm werde aber erst nach dem griechischen Referendum am 05. Juli geprüft. Ein neues, drittes Hilfsprogramm könnte schärfere Bedingungen haben als das bisherige, fügte er hinzu.
EU-Vertretern zufolge hat Griechenland bei der Telefonkonferenz der Euro-Gruppe Vorschläge gemacht, die näher an den Forderungen der Institutionen von EU-Kommission, EZB und IWF gelegen haben.

20.20 Uhr: Finnischer Finanzminister: Hilfsprogramm wird nicht verlängert: Eine kurzfristige Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms und ein Schuldenschnitt ist nach Einschätzung des finnischen Finanzministers Alexander Stubb nicht möglich. Das teilte Stubb am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Diese Schritte hatte der griechische Premier Alexis Tsipras in einem neuen Hilfsantrag ins Spiel gebracht.

20.15 Uhr: "Bild": Griechenland stellt Antrag auf Zahlungsaufschub: Griechenland werde beim Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Antrag auf Zahlungsaufschub stellen, berichtet die "Bild"-Zeitung. Die Rückzahlung von 1,54 Milliarden Euro - die an diesem Dienstag fällig ist - solle verschoben werden, berichtet das Blatt. Gleichzeitig habe die Regierung in Athen klargemacht, dass sie grundsätzlich die fälligen IWF-Kredite bediene wolle. Der IWF wollte dazu am Dienstag keine Stellung nehmen. „Kein Kommentar“, sagte ein Sprecher.

20.05 Uhr: Griechenland zu Aussetzung von Referendum bereit: Griechenland ist nach den Worten des maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat grundsätzlich bereit, das geplante Schuldenreferendum auszusetzen. Voraussetzung sei eine Einigung mit den Gläubigern, sagte Muscat am Dienstagabend im Parlament seines Landes.

19.52 Uhr: Martin Schulz fordert Zugeständnisse von der griechischen Regierung: "Herr Tsipras hat jetzt den Brief geschrieben, da steht drin, was er will. Es wäre jetzt gut, wenn er nachschiebt, was er zu geben bereit ist", sagte der EU-Parlamentspräsident in Brüssel.

19.36 Uhr: Tausende Griechen demonstrieren für Ja beim Referendum: Auf dem Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament haben sich erneut tausende Demonstranten versammelt. Sie fordern ein Ja beim Referendum am Sonntag.

Tausende Griechen demonstrieren am Dienstagabend auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament für ein Ja beim Referendum. dpa
Tausende Griechen demonstrieren am Dienstagabend auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament für ein Ja beim Referendum.Foto: SIMELA PANTZARTZI/dpa

19.12 Uhr: Angela Merkel legt noch einmal unmissverständlich nach: Die Kanzlerin hat am Dienstagabend erneut betont, dass die Bundesregierung mit einer Regierung in Athen erst wieder nach dem für Sonntag geplanten Referendum verhandeln wird. "Bevor nicht ein Referendum, so wie es geplant ist, durchgeführt ist, werden wir über gar nichts neu verhandeln", sagte Merkel bei einer Veranstaltung des Parlamentskreises Mittelstand der Union in Berlin. An dieser Position ändere auch die Tatsache nichts, dass es heute "nicht näher zu klassifizierende Angebote" gegeben habe.

"Griechenland hat die Entscheidung getroffen, dass heute um Mitternacht das zweite Hilfsprogramm ausläuft", sagte Merkel.
Merkel hatte sich zuvor am Rande der Unions-Fraktionssitzung mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel, SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und Unions-Fraktionschef Volker Kauder beraten, wie man mit den neuen Vorschläge aus Athen umgehen solle.

Karikatur: Klaus Stuttmann
Karikatur: Klaus Stuttmann

18.55 Uhr: Dax gibt nach: Einen Tag nach den starken Kursverlusten ist an Europas Börsen etwas Ruhe eingekehrt, doch sind die Anleger weiter misstrauisch gegenüber der Entwicklung in Griechenland. Der Deutsche Aktienindex (Dax) startete in Frankfurt am Main zunächst schwach und schloss nach zwischenzeitlich deutlichen Verlusten mit einem Minus von 1,25 Prozent bei 10.945 Punkten. Auch die anderen europäischen Finanzplätze gaben nach.

18.30 Uhr: Euro-Finanzminister bleiben hart: Die Euro-Finanzminister werden am Dienstag nach Angaben von Insidern keine Mittel freigeben, damit Griechenland seine anstehende Tranche an den Internationalen Währungsfonds (IWF) begleichen kann. Das werde "auf keinen Fall" geschehen, sagte ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone der Nachrichtenagentur Reuters. Ein zweiter mit der Sache Vertrauter sagte, eine umgehende Freigabe von Finanzmitteln stehe nicht zur Debatte. Griechenland müsste bis Mitternacht eine Tranche von 1,6 Milliarden Euro an den IWF überweisen. Die Regierung hat aber angekündigt, die Zahlung nicht zu leisten und würde damit ab Mittwoch in Zahlungsverzug bei dem Fonds sein.

18.10 Uhr: Tsipras pokert, Merkel wiegelt ab: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras überrascht wieder alle, Angela Merkel gibt sich zurückhaltend – im griechischen Drama bleiben die Rollen verteilt wie bisher.

Ob es noch eine Chance auf eine partnerschaftliche Lösung gibt, können Sie hier auf unserer "Seite 2" nachlesen.

17.25 Uhr: Gabriel für Verzicht auf Referendum: Griechenland sollte nach Ansicht von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) nach dem neuen Hilfsantrag auf die für Sonntag geplante Volksabstimmung verzichten. "Das beste wäre, wenn Herr Tsipras das Referendum absagt", sagte Gabriel am Dienstag am Rande einer SPD-Fraktionssitzung. Dann könne man auch recht schnell über den neuen Antrag sprechen. Niemand sollte jedoch mit einer raschen Einigung zwischen Geldgebern und Athen rechnen, betonte Gabriel. Eine Lösung sei sehr kompliziert. Mit dem Auslaufen des zweiten Programms dürfe die Europäische Zentralbank (EZB) Griechenland keine weitere Finanzierung geben. Sollte es erforderlich sein, wollen Union und SPD an diesem Freitag erneut Fraktionssondersitzungen ansetzen.

16.56 Uhr: Unkonventionelle Hilfe aus Großbritannien. Wenn jeder EU-Bürger nur drei Euro spenden würde, könnte Griechenland gerettet werden - so rechnet ein Brite, der eine Spendenaktion im Internet ins Leben gerufen hat. Für eine Spende von drei Euro soll man eine Karte aus Griechenland bekommen, für zehn Euro eine Flasche Wein, für 5000 Euro einen Urlaub im betroffenen Land. - obwohl das ganze utopisch und unlogisch ist, beteiligen sich immer mehr Menschen an der Aktion. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst das für Sonntag geplante Referendum in Griechenland abwarten, bevor sie über weitere Hilfen für Hellas beraten will. Foto: Reuters
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst das für Sonntag geplante Referendum in Griechenland abwarten, bevor sie über weitere...Foto: Reuters

16.49 Uhr: Kanzlerin Merkel drückt auf die Bremse. Nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird Deutschland vor einem Referendum nicht über den neuen Antrag Griechenlands beraten. "Vor einem Referendum kann von deutscher Seite aus kein neuer Antrag beraten werden", sagte sie nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag in der Fraktionssitzung der Union.


16.43 Uhr:  Kanzlerin berät mit Vizekanzler. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der überraschenden Bitte Athens um ein drittes Hilfsprogramm spontan mit der SPD-Spitze über die neue Lage beraten. Am Rande der Fraktionssitzungen im Reichstag zog sich Merkel am Dienstagnachmittag für knapp zehn Minuten zu einem Gespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zurück. Zu den Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. 

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