Politik : LKA Sachsen: Windige Geschäfte in Kolpings Namen

Ralf Hübner

Es war eine der größten Aktionen des Landeskriminalamts Sachsen - rund 150 Beamte waren Ende vergangener Woche in sieben Bundesländern im Einsatz, um mehr als 30 Firmen, Privat- und Geschäftsräume von Personen zu durchsuchen, die mit der Insolvenz des Kolping-Bildungswerkes Sachsen im Dezember vergangenen Jahres in Zusammenhang gebracht werden. Der Durchsuchung war eine Anzeige des Leipziger Insolvenzverwalters Joachim Voigt wegen Untreue, Betrugs und Insolvenzverschleppung bei der Staatsanwaltschaft Dresden vorausgegangen. Voigt vermutet einen Schaden von 180 bis 240 Millionen Mark, der vor allem durch die ehemaligen Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes, Stephan Michalke und Roland Zimmermann, verursacht worden sein soll.

Als zentrale Figur gilt Michalke, ein gelernter Elektromonteur, der im brandenburgischen Reicherskreuz beheimatet ist und der das Kolping-Bildungswerk in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zu einem Unternehmen mit zahlreichen gewerblichen Untergesellschaften ausgebaut hatte. Zuletzt sollen 27 Gesellschaften mit über 1000 Beschäftigten in 50 Städten, darunter Greifswald, Berlin, Frankfurt (Oder), Cottbus und Dresden dem Bildungswerk gehört haben. Hauptbetätigungsfeld des Kolping-Bildungswerks, das von den katholischen Diozösanverbänden Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz getragen wird, ist eigentlich die gemeinnützige Aufgabe der Bildung von sozial benachteiligten Jugendlichen.

In Schwierigkeiten geriet das Bildungswerk offensichtlich durch fragwürdige Immobliengeschäfte und verdeckte Finanzaktionen Michalkes. Ihm wird "Immobilienrausch" und "Größenwahn" nachgesagt. Bauaufträge sollen teilweise ohne Ausschreibung einer Firma übertragen worden sein, an der Michalke beteiligt war. Die Kreditbeschaffung bei den Banken wurde durch den Namen Kolpings und die Nähe zur katholischen Kirche offenbar erleichtert. Insgesamt sollen 19 Banken mit einer Summe von etwa 100 Millionen Mark vom Schaden betroffen sein. Zudem waren die Aufsichtsgremien des Bildungswerkes augenscheinlich überfordert. Aufbauhelfer aus dem Westen waren Mitte der 90er Jahre zurückgeschickt worden, so dass sich Michalke sicher fühlen konnte. Die Wirtschaftsprüfer hätten ausgeglichene Bilanzen attestiert, sagt Landtagspräsident Erich Iltgen (CDU), der bis zum Mai vorigen Jahres dem Aufsichtsrat angehörte. Allerdings hätte ihn die Ausweitung der Geschäftsfelder und die Vielzahl der involvierten Banken schon verwundert.

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