LKW-Maut : Toll Collect vor nächster Bewährungsprobe

Das Maut-Konsortium Toll Collect steht nach der Einführung der Lkw-Maut in Deutschland vor der nächsten Bewährungsprobe. Zum Jahreswechsel 2005/06 geht eine neue Generation von Bordcomputern in Betrieb.

Berlin - Zweieinhalb Monate vor dem Start sind bereits mehr als 227 000 Lastwagen mit der verbesserten Software ausgestattet. Toll-Collect-Geschäftsführer Christoph Bellmer äußerte sich am Dienstag in Berlin überzeugt, dass es keine Probleme geben werde. Mit den so genannten On-Board-Units (OBU) 2.0 soll das satellitengestützte System seine volle Leistungsfähigkeit erreichen.

Die Lkw-Maut wird seit dem 1. Januar 2005 auf allen deutschen Autobahnen erhoben. Wegen der zahlreichen Probleme in der Anfangsphase erfolgte der Start mit 16 Monaten Verspätung. Deshalb war anfangs auch nur eine einfache Version der Bordcomputer im Einsatz. Zehn Monate danach sind nun rund 468 000 Lastwagen mit einer OBU ausgestattet. Knapp die Hälfte davon ist bereits mit der neuen Version unterwegs, darunter 162 000 Lkw aus Deutschland.

Das «Aufspielen» der neuen Software in der Werkstatt dauert etwa eine Stunde. Die Umrüstung erfolgt kostenlos. In der neuen Version kann die «OBU» automatisch neue Anschlussstellen, zusätzliche mautpflichtige Straßen und flexible Tarife verarbeiten. Alle künftigen Software-Aktualisierungen sollen künftig ohne einen Zwangsstopp in der Werkstatt möglich sein. Über die OBU werden inzwischen 85 Prozent aller Maut-Buchungen abgewickelt. Der Rest erfolgt an Maut-Terminals und übers Internet.

Mit der neuen Software wäre auch die Ausweitung der Maut auf bestimmte Bundes- und Landstraßen möglich, die derzeit von Lkw- Fahrern als Ausweichstrecken genutzt werden. Als frühestmöglichen Termin nannte Bellmer den 1. Juli 2006. Die Entscheidung liege jedoch bei der Politik. Derzeit wird noch geprüft, auf welchen Strecken außerhalb des Autobahnnetzes Maut erhoben werden könnte. Im Gespräch sind bis zu 20 Strecken.

Mit dem bisherigen Verlauf der Maut-Erhebung zeigte sich Bellmer hoch zufrieden. «Wir sind viel besser als erwartet. Wir sind sogar das beste System der Welt», sagte der Toll-Collect-Geschäftsführer. Wegen der hohen Anlaufkosten wird das Konsortium um die Telekom und DaimlerChrysler in Deutschland jedoch auf absehbare Zeit keinen Gewinn machen. Die Hoffnung der Konsortialpartner ruht darauf, dass andere Länder das deutsche System übernehmen. Das Interesse ist nach Bellmers Auskunft groß. Konkrete Projekte gibt es aber noch nicht. (tso/dpa)

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