Politik : Lob und Hieb

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Hans-Ulrich Klose ist immer für eine Überraschung gut und hält mit seiner Meinung auch dann nicht hinter dem Berg, wenn er sich damit Gegner oder gar Feinde in den eigenen Reihen macht. Das hat der Sozialdemokrat unter anderem bewiesen, als er in der Debatte vor Beginn des Irakkriegs die Außenpolitik des eigenen Kanzlers so scharf kritisierte, dass der ihn vor versammelter Fraktion herunterputzte. Am Freitag hat der Hamburger Klose seinen Ruf mit einer Buchvorstellung bekräftigt. Mit deutlich spürbarer Grundsympathie und eher marginalen Einschränkungen nämlich pries der SPD-Abgeordnete das Werk eines Politikers, der sich als leidenschaftlicher Kritiker und Gegenspieler rot-grüner Außenpolitik einen Namen gemacht hat: Friedbert Pflüger. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion hat ein Werk vorgelegt mit dem Titel „Ein neuer Weltkrieg? Die islamistische Herausforderung des Westens“. Darin hält der CDU- Mann wichtigen Regierungspolitikern „Widersprüchlichkeit, Unaufrichtigkeit und Wankelmütigkeit“ vor, wie Klose referierte.

Stellenweise geriet die Buchvorstellung auch zum Gespräch über den abwesenden Herrn Fischer im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft. Denn Klose, den mit dem Außenminister eigentlich gegenseitige Wertschätzung verbindet, zitierte unter anderem eine Stelle, an der Pflüger die Frage aufwirft, ob die Freude Fischers über die Festnahme Saddam Husseins damals nicht „einfach nur verlogen“ gewesen sei. Der Außenminister sei schließlich im Umgang mit Pflüger „auch nicht eben zimperlich“, meinte der Laudator entschuldigend. Übrigens scheint Klose nicht vollständig überzeugt davon, dass Rot-Grün auch nach 2006 noch regiert. Jedenfalls lobte er Pflüger nicht nur als gegenwärtig einflussreichen Mann in Berlin, sondern sagte ihm sibyllinisch auch eine große Zukunft voraus: „Wer weiß, wohin die Politik ihn führt . . .“

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