Politik : Lockerbie-Prozess: CIA übergibt erstmals Dokumente

Der US-Geheimdienst CIA hat nach Darstellung der schottischen Justiz im Prozess um den Flugzeugabsturz von Lockerbie zum ersten Mal überhaupt einem ausländischen Gericht interne Dokumente zur Verfügung gestellt. Darauf verwies am Montag Schottlands oberster Ankläger Lord Advocate Colin Boyd im Verfahren gegen zwei libysche Angeklagte vor einem schottischen Gericht auf dem niederländischen Militärstützpunkt Kamp Zeist. Die 25 Protokolle von CIA-Vernehmungen eines libyschen Überläufers sind teilweise unleserlich gemacht. Auf Wunsch des Gerichts hat die CIA in der vorigen Woche einige Schwärzungen wieder beseitigt.

Im Lockerbie-Prozess werden zwei libysche Geheimdienstagenten beschuldigt, für die Bombenexplosion an Bord einer Boeing 747 der US-Fluggesellschaft PanAm am 21. Dezember 1988 verantwortlich zu sein. Damals kamen 270 Menschen ums Leben.

Der Chefankläger versicherte am Montag, dass in den jetzt vorliegenden Protokollen keine für den Prozess wichtigen Angaben mehr unter Schwärzungen verborgen würden. Lediglich Stellen, deren Veröffentlichung Menschenleben gefährden oder die Sicherheit der USA in Gefahr bringen könnte, blieben unleserlich. Dies sei in neuen Kontakten mit CIA-Vertretern vereinbart worden. Der Ankläger hatte die neue Version der Dokumente erhalten, nachdem er im Auftrag des Gerichts um großzügigere Bearbeitung der Protokolle gebeten hatte. Als er am vorigen Freitag die neuen Dokumente dem Gericht vorlegte, kritisierte die Verteidigung das bisherige Vorgehen der Anklage.

Am Montag nahm die Verteidigung zu den veränderten Dokumenten nicht Stellung. Auf ihren Wunsch nach Beratungszeit mit den Angeklagten vertagte sich das Gericht auf Dienstag. Unklar blieb damit, wann der seit Tagen mit Spannung erwartete Starzeuge der Anklage aufgerufen wird. Der einstige libysche Geheimagent Abdu Majed Jiacha, der 1988 der CIA seine Dienste angeboten hatte, soll Aussagen über den Weg der über Lockerbie explodierten Bombe machen. In Malta arbeitete er zusammen mit den Angeklagten in der lokalen Niederlassung der libyschen Fluggesellschaft. Von dort aus soll nach Darstellung der Anklage ein Koffer mit der Bombe über Frankfurt und London an Bord des Unglücksflugzeugs gelangt sein.

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