Politik : Löschte BKA Handy-Daten von Neonazis? Ziercke: Es geht nicht um Schutz von Informanten

Berlin - Das Bundeskriminalamt (BKA) hat den Vorwurf zurückgewiesen, bei Ermittlungen gegen die Zwickauer Neonazi-Zelle Beweismittel vernichtet zu haben. Entsprechende Spekulationen seien absurd, erklärte BKA-Chef Jörg Ziercke am Sonntag. „Das BKA schützt weder Neonazis noch Informanten aus der rechten Szene“, erklärte Ziercke. Er reagierte damit auf einen Bericht der „Bild am Sonntag“, nach dem Daten vom Handy eines mutmaßlichen Unterstützers der Zwickauer Zelle auf Anweisung des BKA von der Bundespolizei gelöscht worden seien. Das Blatt hatte unter Berufung auf Polizeiexperten gemutmaßt, das BKA wolle damit möglicherweise eigene Informanten im Umfeld der Neonazis schützen. Ziercke bestätigte die Löschung der als Kopie bei der Bundespolizei vorhandenen Daten nach ihrem Auslesen, bekräftigte aber, dies sei ein normales Verfahren. Alle sichergestellten Inhalte stünden „weiterhin vollständig und unverändert für die Ermittlungen des Generalbundesanwalts und des BKA zur Verfügung“. Dem Zeitungsbericht zufolge geht es um die Daten, die Spezialisten der Bundespolizei auf dem Handy des mutmaßlichen Unterstützers der Zelle, Andre E., nach dessen Festnahme im November entschlüsselt hatten. Das Bundesinnenministerium forderte nach Angaben eines Sprechers gegenüber dem Blatt eine „umfassende Erklärung durch die Amtsleitung des BKA an“. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), bewertete den Fall als gravierend. Er müsse umgehend aufgeklärt werden. „Es darf nicht einmal der Verdacht entstehen, dass etwas verheimlicht werden sollte“, sagte er der Zeitung. Die Linken-Politikerin Petra Pau erklärte, der Fall rieche nach Vertuschung. Unterdessen wurde in der Schweiz ein weiterer mutmaßlicher Helfer der Terroristen festgenommen. Der Schweizer sei am Freitag von einem Berner Haftrichter in Untersuchungshaft gesetzt worden, sagte der Sprecher der Kantonspolizei Bern, Michael Fichter, der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Der Mann könnte die tschechische Ceska samt Schalldämpfer besorgt haben, mit der die Terroristen neun der zehn ihnen vorgeworfenen Morde begangen haben sollen. Bei der Suche nach weiteren Waffenlieferanten rückt nach Informationen des „Spiegels“ ein sächsischer Video- und Computerspiel-Verleih ins Visier der Ermittler. Zwei Mitarbeiter dieser Firma, der 35-jährige Pierre J. und der 42-jährige Herrmann S., stehen den Angaben zufolge im Verdacht, Mundlos unter anderem bei der Beschaffung einer Pumpgun geholfen zu haben. dpa/dapd

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