Lösung in der Staatsschuldenkrise : Kirchen fordern höhere Steuern für Reiche

Vertreter der Kirchen in Deutschland fordern Steuererhöhungen für Reiche, damit sie stärker an der Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise und der Finanzierung der sozialen Aufgaben des Staates beteiligt werden. So auch der Berliner Kardinal Woelki.

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Der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki, schlägt eine stärkere Besteuerung von Vermögen vor.
Der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki, schlägt eine stärkere Besteuerung von Vermögen vor.Foto: dpa

Vertreter der christlichen Kirchen in Deutschland fordern zum Osterfest eine stärkere Heranziehung der Reichen zur Finanzierung der sozialen Aufgaben und zur Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise. Der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki, schlägt eine stärkere Besteuerung von Vermögen vor. „Es kann nicht sein, dass nur etwa zehn Prozent der reichsten deutschen Haushalte 58 Prozent des Privatvermögens besitzen“, sagt Woelki dem Tagesspiegel. Realisiert werden könne ein stärkerer Zugriff „beispielsweise über die Erbschaftsteuer“, sagt der Kardinal.

Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung habe deutlich gemacht, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde, sagte Woelki. „Wir müssen unsere Stimme dort erheben, wo Menschen in ihrer Existenz bedroht sind.“ Im Erzbistum Berlin, zu dem auch Brandenburg und Vorpommern gehören, sei das Problem besonders ausgeprägt. Hier liege der Anteil wirtschaftlich armer Menschen allerorten „höher als im Bundesdurchschnitt“.

Der geistliche Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Bischof Markus Dröge, schreibt mit Blick auf die Euro-Krise in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel, dass die Stärkeren mehr leisten müssten als die Schwächeren. „Höhere Steuern für höhere Vermögen und einmalige Abgaben dürfen deshalb nicht tabu sein“, erklärt Dröge. Dies alles aber bedürfe einer effektiven Steuerverwaltung, die für Gerechtigkeit sorge. „Wahr ist, dass umfassende Sparprogramme notwendig sind. Aber nicht ohne die systematische Einbeziehung der sozialen Folgen in politische Entscheidungen.“

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx erklärte dem Euro-Krisenland Zypern und dessen Bürgern zum Osterfest seine Verbundenheit. „Angesichts des großen Leids, das die zyprische Bevölkerung durch die jüngsten Entwicklungen erfahren“ habe, werde er besonders in diesen Tagen für Zypern und das zyprische Volk beten, schrieb der Kardinal dem maronitischen Erzbischof von Zypern, Youssef Soueif, wie das Erzbistum in München mitteilte. Marx drücke auch die Hoffnung aus, dass die Solidarität der EU-Länder der zyprischen Nation helfen werde, aus den gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszufinden, dass sich das Leid verringere und das Land zum Wohlstand zurückfinde.

Euro-Länder und Internationaler Währungsfonds hatten Zypern in der vergangenen Woche mit einem milliardenschweren Rettungspaket vor dem Staatsbankrott bewahrt. Auf die Menschen in Zypern kommen aber harte Einschnitte zu. Großanleger müssen bei der Bank of Cyprus mit höheren Einbußen rechnen als bisher angenommen. 37,5 Prozent der Guthaben von mehr als 100 000 Euro bei der größten Bank des Landes werden offiziellen Angaben zufolge in Aktienkapital umgewandelt, weitere 22,5 Prozent sollen für drei Monate eingefroren werden, bis feststehe, ob weitere Abgaben erforderlich seien. (mit dpa/AFP)

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