Politik : Lohnaufschwung Ost

Trotz stärkerer Nettolohnentwicklung ist das Westniveau noch nicht erreicht

Antje Sirleschtov

Berlin - Bei der Entwicklung der realen Nettolöhne liegen die Arbeiter und Angestellten in Ostdeutschland seit 16 Jahren weit vor ihren Kollegen im Westen. Wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte, ist der reale Nettolohn einer Einverdienerfamilie mit Kindern seit 1991 durchschnittlich um 58 Prozent angestiegen. Eine vergleichbare Familie im Westen konnte den realen Nettoverdienst dagegen nur um 15 Prozent steigern. Ähnlich sieht das Verhältnis bei Alleinstehenden und bei Arbeiterfamilien aus.

Ein wesentlicher Grund dafür ist natürlich der gewaltige Anstieg der ostdeutschen Löhne und Gehälter im verarbeitenden Gewerbe zu Anfang der neunziger Jahre, dessen Ursache im Nachholeffekt der Deutschen Einheit liegt. Anfang der neunziger Jahre stiegen die realen Nettolöhne der Familien in den neuen Bundesländern, wenn ihre Verdiener Arbeit hatten, im Laufe von drei Jahren um durchschnittlich 20 Prozent an.

Allerdings, das weisen die neuen Verdiensterhebungen des Statistischen Bundesamtes nach, profitierten die Ostdeutschen bis zum Ende der neunziger Jahre auch von geringeren Preissteigerungen gegenüber den alten Bundesländern. Dies sorgte dafür, dass das reale Nettolohnniveau der Ostdeutschen rascher an das westdeutsche Niveau herangeführt werden konnte.

Grundsätzlich gilt jedoch auch für die Jahre nach 2000, dass die Bruttolohnsteigerungen der Angestellten in Ostdeutschen beinahe in jedem Jahr höher waren als in den alten Bundesländern. Das war so bei den geringer Qualifizierten und auch bei den Angestellten.

Allerdings haben die 16 Jahre seit der deutschen Einheit noch nicht ausgereicht, um in den neuen Bundesländern das Lohnniveau Westdeutschlands zu erreichen. Nach wie vor liegt der reale Nettolohn der Ostdeutschen (Angestellten- Familie 2006: 2168 Euro) im Schnitt um 500 Euro unter dem Niveau Westdeutschlands (2620 Euro bei gleicher Familiensituation).

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