Politik : Lokale Rebellenchefs sollen in Libyen mitregieren

Tripolis/Istanbul - Der libysche Übergangsrat will Rivalitäten zwischen den verschiedenen Rebellengruppen vorbeugen, indem er mehr lokale Rebellenchefs an der Macht beteiligt. In Tripolis hieß es am Montag, bei der von Ministerpräsident Mahmud Dschibril angekündigten Erweiterung der Regierung der Aufständischen sollten Vertreter von Regionen zum Zuge kommen, die in dem Gremium bislang nicht repräsentiert waren. Das neue Kabinett soll in spätestens zehn Tagen vorgestellt werden. Ein libyscher Beobachter sagte: „Vor allem die Islamisten fordern jetzt ein großes Stück vom Kuchen, dabei ist der noch gar nicht fertig gebacken.“ Dschibril, dessen Regierung ihren Sitz inzwischen von Bengasi nach Tripolis verlegt hat, hatte am Wochenende außerdem damit begonnen, verschiedene Städte zu besuchen.

In Tripolis sammeln die örtlichen Rebellenkomitees inzwischen die Waffen der nicht offiziell zu ihren Truppen gehörenden Aufständischen ein, die in den vergangenen Wochen auf eigene Faust gegen die Truppen des verschwundenen Machthabers Muammar al Gaddafi gekämpft hatten. Es wird jedoch erwartet, dass einige der Kämpfer ihre Waffen nicht abgeben wollen, vor allem da östlich von Tripolis einzelne Ortschaften noch nicht unter Kontrolle der Rebellen stehen. Mit der ebenfalls noch nicht „befreiten“ Stadt Sebha im Süden wollen sich die Aufständischen nach eigenen Angaben erst ganz zum Schluss befassen.

Bei einem Angriff auf eine Ölraffinerie im Osten Libyens wurden am Montag 17 Kämpfer der neuen Führung getötet. Truppen Gaddafis hätten die Anlage in Ras Lanuf attackiert und dabei die „Revolutionäre“ getötet, sagte Mohammed Sawawi, ein Sprecher des Übergangsrates, am Montag. Die Getöteten hätten die 370 Kilometer westlich von Bengasi gelegene Raffinerie bewacht. Die Angreifer seien mit fünf Fahrzeugen gekommen und hätten versucht, in die Raffinerie zu gelangen, „aber sie haben es nicht geschafft“, sagte Sawawi.

Die Kämpfer der neuen Führung stoßen nach wie vor auf heftigen Widerstand durch die Getreuen des untergetauchten Gaddafi. Vor allem die Städte Bani Walid und Gaddafis Geburtsstadt Sirte sind noch in den Händen der Kämpfer des Ex-Machthabers. dpa/AFP/rtr

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