Politik : Lokführer wollen Deutschland lahm legen

45 Minuten Streik am Donnerstagmorgen sollen die Bahn für Stunden aus dem Takt bringen / Weitere Aktionen in Berlin geplant

Klaus Kurpjuweit

Berlin . Die Tarifauseinandersetzungen bei der Bahn eskalieren. Donnerstagfrüh sollen wahrscheinlich ab 5.30 Uhr bundesweit etwa 45 Minuten lang keine Züge fahren. Und im Verlauf des Tages ist mit weiteren Warnstreiks zu rechnen, die sich auf Berlin konzentrieren werden. Damit könnte es den ganzen Tag über zu erheblichen Verspätungen kommen. Nach einem Stillstand des Betriebes dauert es meist Stunden, bis der Verkehr wieder planmäßig rollen kann.

Beim bundesweiten Stillstand des Betriebes sollen die Lokomotivführer versuchen, vor dem Stopp noch zu einem Bahnhof zu fahren, sagte der Berliner Bezirkschef der Lokführergewerkschaft GdL, Hans-Joachim Kernchen. Zu vermeiden seien auf jeden Fall Halte in Tunnels und auf Brücken. Fahrgäste sollen vom Zugpersonal informiert werden.

Bei der Bahn sind Tarifauseinandersetzungen besonders kompliziert, weil mehrere Gewerkschaften verhandeln, die sich auch untereinander bekämpfen. Bisher hatte die größte Gewerkschaft Transnet zusammen mit der Verkehrsgewerkschaft GDBA (gegründet als Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter) zu Warnstreiks in verschiedenen Regionen aufgerufen. Am Dienstag wurde so zeitweise der Nahverkehr in München, Nürnberg und Regensburg lahm gelegt.

Gleich flächenmäßig streiken will jetzt die Konkurrenzgewerkschaft der Lokomotivführer (GdL), die sich bisher an den Aktionen nicht beteiligt hatte. Gespräche über einen Spartentarifvertrag für die Lokführer und die Zugbegleiter waren am Dienstag in Frankfurt/Main erfolglos geblieben. Deshalb folge jetzt die bundesweite Aktion, so Kernchen.

Aber auch Transnet und die GDBA wollen nicht zurückstecken. Sie planen ebenfalls für Donnerstag einen eigenen Warnstreik in Berlin und Brandenburg. Mit diesen Gewerkschaften will die Bahn die Tarifverhandlungen am Donnerstag in Berlin fortsetzten. Unter den Protestaktionen müssten die Fahrgäste dann doppelt leiden.

Die Bahn will Transnet und der GDBA am Donnerstag ein Angebot vorlegen. Die Gewerkschaften fordern fünf Prozent mehr Lohn und eine Angleichung der ostdeutschen Löhne ans Westniveau. Die Lokführer wollen sich mit drei Prozent begnügen, die nicht verhandelbar seien, wie Kernchen sagte. Die Angleichung der Tarife solle bis 2007 erfolgen.

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