London : Großeinsatz gegen mutmaßliche Terroristen

Bei einem groß angelegten Polizei-Einsatz gegen mutmaßliche Terroristen ist ein Mann angeschossen worden. An der lang vorbreiteten Operation waren rund 150 Polizisten beteiligt.

London - Knapp elf Monate nach den verheerenden Selbstmordanschlägen in London haben britische Sicherheitskräfte mit einem Großeinsatz gegen eine vermutete Bombenwerkstatt möglicherweise neue Terrororangriffe verhindert. «Uns lagen Hinweise vor, die ein intensives Vorgehen zwingend erforderlich machten», erklärte am Freitag der Chef der Anti-Terrorspezialeinheit der Londoner Polizei, Peter Clarke.

Bei dem Sturmangriff auf eine Wohnung im Ost-Londoner Einwandererviertel Forest Gate wurde ein mutmaßlicher Terrorist angeschossen. An der Operation, die gegen 04.00 Uhr am frühen Morgen begann, waren bis zu 250 Polizisten beteiligt - viele von ihnen in Kampfausrüstungen sowie in Schutzkleidung gegen chemische und biologische Wirkstoffe.

In der Wohnung wurde ein weiterer Terrorverdächtiger festgenommen. Gegen beide Männer, die nach Angaben des Senders BBC Brüder sind, erging Haftbefehl wegen der Vorbereitung von Terroranschlägen. Nachbarn beschrieben die beiden 20 und 23 Jahre alten Männer als freundliche Muslime, die bislang nicht negativ aufgefallen seien.

Die Verletzungen des angeschossenen 23-jährigen seien nicht lebensbedrohlich, hieß es im Krankenhaus. Eine Kommission von Scotland Yard untersucht, ob der Schusswaffengebrauch gegen den nach ersten Erkenntnissen unbewaffneten Mann gerechtfertigt war. An der Aktion war das selbe Polizeikommando beteiligt, dessen Angehörige am 22. Juli 2005 in London den unschuldigen Brasilianer Jean Charles de Menezes für einen Terroristen gehalten und erschossen hatten.

Clarke sagte, die Polizei setze «nach konkreten Hinweisen von Geheimdiensten» ihre Anti-Terror-Operationen fort. Damit solle «die Sicherheit der Öffentlichkeit zu gewährleistet werden». Wegen der laufenden Ermittlungen könnten vorerst keine Einzelheiten veröffentlicht werden.

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten fand die Polizei in der betroffenen Wohnung jedoch keine wirklich gefährlichen Kampfstoffe oder Bomben, sondern vermutlich höchstens Materialien, die für die Fertigung verwendet werden könnten. Ansonsten wäre das Wohngebiet evakuiert worden, hieß es bei der BBC. Scotland Yard hatte aber ein Flugverbot über dem betroffenen Stadtgebiet verhängt.

Der Großeinsatz rief bei Londonern Erinnerungen an die Bombenanschläge vom 7. Juli vergangenen Jahres auf U-Bahnen und einen Bus wach. Die Polizei erklärte, die Großrazzia im Viertel Forest Gate stehe in keinem direkten Zusammenhang mit noch anhaltenden Untersuchungen zu diesen Bombenanschlägen. Dabei hatten vier Selbstmordattentäter mit selbst gebauten Rucksackbomben 52 Menschen mit sich in den Tod gerissen. (tso/dpa)

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