London : Polizei erschießt Terrorverdächtigen

Einen Tag nach neuen Bombenanschlägen hat die Londoner Polizei am Freitag in der U-Bahn einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter erschossen. (22.07.2005, 15:29 Uhr)

London - Der Nachrichtensender «Sky News» berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, der Mann sei einer der Terroristen gewesen sein, die an diesem Donnerstag Bomben in drei Londoner U-Bahnen und einem Bus gezündet hatten.

Eine Spezialeinheit von Scotland Yard habe ihn seit der Nacht beschattet und gehofft, dass er sie zu seinen Komplizen führen werde. Als er jedoch die U-Bahnstation Stockwell betreten habe, hätten die Polizisten einen neuen Selbstmordanschlag befürchtet, da der Mann einen dicken Mantel getragen habe. Sie hätten versucht, ihn zu stellen, er sei jedoch auf einen U-Bahnzug zugerannt und gestolpert. In dem Moment hätten sie gedacht, dass er nun seine Bombe zünden wolle, und ihn erschossen. Scotland Yard bestätigte vorerst nur, dass bewaffnete Polizisten einen Verdächtigen erschossen hätten.

Ein Augenzeuge berichtete, er habe in der Station in einer wartenden U-Bahn gesessen. Plötzlich sei ein Mann von asiatischem Aussehen auf den Zug zugestürmt, verfolgt von Polizisten. Die Polizisten hätten ihn zu Boden geworfen und mit fünf gezielten Pistolenschüssen getötet. Der Dachverband der britischen Muslime forderte Scotland Yard auf, schnell die Hintergründe des Vorfalls offenzulegen. In der muslimischen Gemeinschaft herrsche große Unruhe.

Eine BBC-Reporterin sagte, es sei eine «enorme, landesweite Jagd» auf die verhinderten Selbstmordattentäter vom Donnerstag im Gange. Spezialisten untersuchten die vier zurückgelassenen Rucksackbomben, die nicht richtig gezündet hatten. Experten sagten im Fernsehen, diese Sprengsätze seien so etwas wie ein «detaillierter Steckbrief» des Bombenbauers. Sie enthielten zahlreiche Hinweise auf seine Arbeitsweise. Unter anderem prüften die Experten, ob der verwendete Sprengstoff zur selben Quelle wie die Bomben vom 7. Juli gehörte.

Außerdem wertete die Polizei die Filme Dutzender Überwachungskameras aus U-Bahnstationen aus, um die geflüchteten Täter zu identifizieren. Einer der Attentäter soll überrascht aufgeschrien haben, als sein Sprengsatz nicht explodierte. Der U-Bahn-Passagier Abisha Moyo erzählte, er habe einen Knall gehört, sich umgedreht und einen Mann mit ausgestreckten Armen «in Jesus- Haltung» auf dem Boden des Waggons liegen sehen.

Zunächst habe er gedacht, der Mann sei angeschossen worden, doch dann habe er bemerkt, dass der etwa 20-jährige auf einem Rucksack lag, aus dem Rauch kam. Wenig später sei der Mann über die Gleise der U-Bahn geflüchtet.

Unter Berufung auf Polizeiquellen berichteten die britischen Medien, den Terroristen sei es am Donnerstag darum gegangen, die Anschläge vom 7. Juli mit 56 Toten und 700 Verletzten zu wiederholen. Dafür spreche schon, dass sie wieder drei U-Bahnen und einen Bus ausgesucht und die Bomben fast gleichzeitig gezündet hätten.

Regierung und Polizei befürchten nun, dass sich London vielleicht auf eine lange Serie von Anschlägen einstellen muss. (tso)

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