London : Überhastete Razzia gegen Terrorzelle

Mit seiner Unachtsamkeit hat der höchste britische Terrorfahnder die Aushebung einer Al-Qaida-Zelle erschwert, die kurz vor mörderischen Anschlägen gestanden haben soll.

Hendrik Bebber

London - Bob Quick war in der Downing Street vorgefahren, um Premierminister Gordon Brown über die bevorstehenden Razzien zu unterrichten. Beim Aussteigen hielt er den „streng geheimen“ Einsatzplan der Polizei offen in der Hand. Die ständig vor der Downing Street postierten Fotografen schossen Bilder, auf denen die Aktion erkennbar war. Damit die Verdächtigten nicht gewarnt werden konnten, musste die Polizei einen Tag früher als geplant zuschlagen. Quick zog die Konsequenz aus seinem Patzer und trat zurück.

Die mit „chirurgischer Präzision“ geplante Operation der Polizei verlief reichlich chaotisch. Statt wie geplant die Verdächtigen nachts im Schlaf zu überrumpeln, mussten die Terrorfahnder am helllichten Tag zugreifen. In der Universität von Liverpool glaubten Studenten, dass ein Amokschütze eingedrungen war. Lautsprecher forderten sie auf, sich zu Boden zu werfen, während die Polizei einem verdächtigten Kommilitonen mit vorgehaltener Waffe Handschellen anlegte.

Zwölf Terrorverdächtige im Alter zwischen 15 und 41 Jahren wurden festgenommen. Elf sind pakistanische Staatsangehörige. Der Zwölfte ist Brite pakistanischer Herkunft. Die Verdächtigten waren offenbar monatelang vom britischen Antiterrordienst observiert worden. Wie Premierminister Gordon Brown bekannt gab, wurde ein „großer Anschlag“ verhindert. Der „Daily Telegraph“ schreibt, dass die Folgen womöglich schlimmer gewesen wären als beim Attentat am 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn, bei dem als 50 Menschen starben.

In Nachtclubs und Einkaufszentren in Manchester sollten offenbar Bomben explodieren. Die Zelle, die angeblich im Auftrag von Al Qaida handelte, wollte offensichtlich schon am Osterwochenende zuschlagen. 

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