Politik : London unterbindet Enthüllungen über Bush

Protokolle zu Gesprächen mit Blair unter Verschluss / USA bestreiten Anschlagspläne auf TV-Sender

Matthias Thibaut

London - Großbritannien will keine weiteren, möglicherweise peinlichen Enthüllungen über den US-Präsidenten zulassen. Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith untersagte der Zeitung „Daily Mirror“ weitere Veröffentlichungen aus streng geheimen Aufzeichnungen über Gespräche, die George W. Bush und sein britischer Verbündeter Tony Blair im April 2004 im Weißen Haus führten.

Am Dienstag hatte der „Daily Mirror“ berichtet, Bush habe während des Gesprächs die Bombardierung des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira vorgeschlagen und sei von Blair nur mit Mühe davon wieder abgebracht worden. Das Weiße Haus bezeichnete diese Behauptung als so „exotisch“, dass man sie mit einer Erwiderung nicht würdigen wolle. Auch in der Downing Street hieß es, man nehme zu Indiskretionen aus Prinzip keine Stellung. Die Sendezentrale von Al Dschasira liegt in dem mit den USA befreundeten Golfstaat Katar. Die Schlagzeile des „Daily Mirror“ lautete deshalb „Bush wollte Verbündete bombardieren“.

Al Dschasira forderte die Klärung des Sachverhalts. Studios des Senders wurden während der Kriege in Afghanistan und im Irak von US-Bomben getroffen. Beteuerungen der USA, es habe sich dabei um Versehen gehandelt, müssten hinterfragt werden, sagte ein Sprecher des Senders. Der Chefaußenpolitiker der britischen Liberaldemokraten, Sir Menzies Campbell, forderte die Veröffentlichung der Gesprächsnotizen: „Wenn es stimmt, würde das die Verzweiflung der Regierung Bush unterstreichen.“

Kommende Woche werden zwei Regierungsangestellte vor Gericht erscheinen, die das Memo im Mai 2004 dem Labour-Hinterbänkler Tony Clark zugespielt hatten, darunter der 49-jährige Downing-Street-Beamte David Keogh. Beide haben mit der Weitergabe gegen das strenge britische Geheimhaltungsgesetz verstoßen.

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