Politik : Londoner Polizei tötet Verdächtigen

Matthias Thibaut

London - Einen Tag nach vier erneuten Sprengstoffanschlägen auf Londons Nahverkehrssystem hat die Polizei einen Tatverdächtigen in einer U-Bahn-Station durch gezielte Schüsse getötet. Der Vorfall in der U-Bahn-Station Stockwell in Südlondon stand unbestätigten Berichten zufolge in direktem Zusammenhang zu den Anschlägen vom Donnerstag. Londons Polizeichef sagte, der Erschossene habe sich geweigert, den Anordnungen der Beamten zu folgen. Die – fehlgeschlagenen – Anschläge vom Donnerstag hatten eine Großfahndung nach Verdächtigen ausgelöst, die als potenzielle Selbstmordbomber eingestuft werden. Am Freitagnachmittag veröffentlichte die Polizei Fotos von vier Verdächtigen, am Abend wurden zwei Männer festgenommen.

Wie bereits für den schweren Anschlag vom 7. Juli haben die „Abu Hafs Al-Masri Brigaden“ in einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben die Verantwortung für die jüngste Anschlagsserie übernommen – die nur glimpflich ohne Tote und Schwerverletzte verlief, weil die Bomben technische Mängel hatten. Die Attacke „im Herzen der britischen Hauptstadt der Gottlosen“ sei eine neue Botschaft „an alle europäischen Regierungen“. Die Anschläge gingen weiter, bis alle Soldaten von irakischem Gebiet abgezogen seien, heißt es in dem Schreiben. Premierminister Tony Blair hatte am Donnerstag betont, Großbritannien werde sich seine Außenpolitik nicht von Terroristen vorschreiben lassen.

Die Todesschüsse in der U-Bahn erfolgten auf Grundlage einer vor zwei Wochen öffentlich gemachten Politik gezielter Kopfschüsse, um mögliche Selbstmordanschläge zu verhindern. London war am Freitag eine nervöse Stadt. Es gab zahlreiche Bombenalarme, die größte Moschee wurde abgesperrt. Überall in der Stadt heulten Polizeisirenen. Am Nachmittag wurden drei Häuser von bewaffneten Polizisten umstellt. Sprengstoffteams waren im Einsatz. Offenbar hat die Polizei durch die gescheiterten Anschläge vom Donnerstag eine Fülle neuer Hinweise erhalten.

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