Londoner Terror-Pläne : Heiße Spur nach Pakistan

Es ist nicht so, dass die pakistanischen Behörden untätig wären. Aber trotz des Anti-Terror-Kampfs bleibt das Land ein Hort der Al Qaida.

Islamabad - Hunderte Extremisten sind in den vergangenen Jahren festgenommen worden, und hunderte weitere wurden bei Einsätzen der Sicherheitskräfte getötet. Offiziell heißt es deshalb in Islamabad, Al Qaida sei hier zerschlagen. Tatsächlich zeigen die jüngsten Anschlagspläne von London jedoch, dass Pakistan nach wie vor ein Hort der Terrororganisation und ihrer Anhänger ist. Wie bereits nach den Attentaten auf die Londoner U-Bahn im vergangenen Sommer führt die Spur erneut in das moslemische Land am Indischen Ozean.

Insgesamt sieben Verdächtige hatte die pakistanische Polizei in der vergangenen Woche festgenommen. Darunter waren zwei Briten pakistanischer Herkunft, die über die Anschlagspläne in Großbritannien "genau Bescheid" wussten, wie ein ranghoher Sicherheitsbeamter bestätigt. Die pakistanischen Behörden würden dies gerne als Erfolg verkaufen: "Wir waren es, die diesen Plan vereitelt haben, und jetzt heimsen die Briten und Amerikaner das Lob ein", sagt der Beamte. Doch für Beobachter wie Hasan Askari ist das Ergebnis der bisherigen Bemühungen fragwürdig.

Pakistan gerät stärker unter Druck

"Die Zusammenarbeit zwischen den pakistanischen und britischen Behörden hat funktioniert", gesteht der Politologe und einstige Leiter des Instituts für Politikwissenschaft an der Universtität von Lahore den Behörden zu. "Doch andererseits wird Pakistan jetzt noch stärker unter Druck geraten, weil dieser Vorfall auch zeigt, dass die radikalen islamistischen Zellen hier noch immer funktionieren und außerdem internationale Verbindungen haben." Im Grunde seien mit Bekanntwerden der Londoner Terror-Pläne die Behauptungen der Regierung widerlegt, dass die Terrornetzwerke in Pakistan zerschlagen seien.

Präsident Pervez Musharraf dürfte das einmal mehr in die Bredouille bringen. Schon nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Pakistan ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Im neuntgrößten Land Asiens dominiert eine konservative Auslegung des Islam. In den Koranschulen, den so genannten Madrassas, wird Schülern eine ebenso wortgetreue wie konservative Lesart des Koran gepredigt, die nicht selten den Studenten den Weg zum Dschihad, dem "Heiligen Krieg" gegen den Westen weist. Auch einer der Attentäter, die sich im vergangenen Jahr in London in die Luft gesprengt hatten, hatte nach Angaben seiner Familie eine solche Schule besucht.

Nach dem Schock der Anschläge vom 11. September 2001 hatte Musharraf sich rasch an die Seite der USA gestellt. Gegen wütende Proteste im eigenen Land duldete er den Krieg der USA gegen die Taliban im Nachbarland Afghanistan. In der unzugänglichen Grenzregion, in der auch Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und sein Vize Aiman al Sawahiri vermutet werden, versuchen die pakistanischen Sicherheitskräfte seither, die Netzwerke der Terroristen zu zerschlagen. Mehr als 700 Extremisten wurden seither festgenommen; hunderte weitere wurden getötet.

Große Sympathien für "Heilige Krieger"

Und trotzdem bleibt Pakistan ein idealer Zufluchtsort für militante islamische Fundamentalisten. Denn die gebirgige Grenzregion ist unübersichtlich und de facto eine gesetzlose Zone. Auch im Rest des Landes genießen die "Heiligen Krieger" in der konservativ-religiösen Bevölkerung seit jeher große Sympathien. Die aktuelle politische Weltlage leistet dem zusätzlich Vorschub: Der Einmarsch in Afghanistan, der Krieg im Irak und jetzt die israelische Offensive im Libanon schüren die anti-westliche Stimmung im Volk.

Große Razzien seien gegen die Al Qaida nicht besonders wirksam, sagt ein Vertreter des pakistanischen Geheimdienstes. Die Organisation arbeite stark dezentralisiert mit unabhängigen Einheiten, die manchmal auch nur lose angegliedert seien. "Diese Zellen stehen gar nicht in direktem Kontakt mit der Al Qaida." Ein anderer Sicherheitsvertreter räumt ein, es gebe noch "einige Zellen", doch die Organisation sei zu einem großen Teil zerschlagen. Einem westlichen Diplomaten fällt da nur Zynismus ein: "Wenn die Lagune mit Haien verseucht ist, sollte man sich nicht damit rühmen, zwei oder drei rausgefischt zu haben."

(Von Danny Kemp, AFP)

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