Londoner Terror-Pläne : Hinweise auf pakistanische Drahtzieher

Einen Tag nach der Vereitelung einer Anschlagserie auf mehrere Passagierflugzeuge weist die Spur der Ermittlungen nach Pakistan. Die Attentäter hatten offenbar drei Anschlagswellen geplant.

London - Die britische Polizei habe zugeschlagen, nachdem sie aus Pakistan den Marschbefehl an die Attentäter abgefangen habe, berichtete die Zeitung "The Guardian". Die pakistanische Polizei nahm ihrerseits schon vergangene Woche zwei Briten pakistanischer Herkunft fest, die als Schlüsselfiguren der Verschwörung gelten. Die Bank of England veröffentlichte die Namen von 19 der 24 festgenommenen Verdächtigen. Die meisten der 17 bis 35 Jahre alten Männer sind demnach Moslems mit Verbindung in den südasiatischen Raum. Nach dem mutmaßlichen Kopf der Gruppe wird noch gesucht.

Die Polizeiaktion vom Donnerstag war offenbar Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den britischen und pakistanischen Geheimdiensten. Ein ranghoher Regierungsbeamter in Islamabad sagte, insgesamt seien in der vergangenen Woche sieben Männer festgenommen worden, die mit der geplanten Anschlagserie zu tun gehabt hätten. Die beiden Briten seien in Karachi und Lahore gefasst worden. "Sie wussten ganz genau über den Plan Bescheid, die Flugzeuge in die Luft zu jagen", sagte er. Die anderen fünf seien "Helfer" gewesen. Pakistan habe die Informationen an die Geheimdienste in Großbritannien und den Vereinigten Staaten weitergegeben. Der britische Innenminister John Reid bedankte sich ausdrücklich bei den pakistanischen Behörden.

Die britische Zeitung "The Independent" berichtete, die Polizei habe ihre Razzia gestartet, nachdem klar geworden war, dass die potenziellen Attentäter binnen 48 Stunden zuschlagen könnten. Im "Guardian" hieß es unter Berufung auf einen Regierungsmitarbeiter, die Aktion sei ausgelöst worden, nachdem die potenziellen Attentäter grünes Licht aus Pakistan erhalten hätten. Nach einem Bericht der "Times" wurde in einem der durchsuchten Häuser ein "Märtyrervideo" eines freiwilligen Selbstmordattentäters gefunden. Die britische Polizei wollte dazu keine Stellung nehmen.

Mutmaßlicher Anführer der Gruppe noch flüchtig

Der US-Fernsehsender ABC berichtete unter Berufung auf pakistanische Beamte, nach fünf Verdächtigen werde noch gefahndet. Darunter soll auch der Kopf der Gruppe sein. Es handele sich um den 29-jährigen Matiur Rehman, der der Terrororganisation Al Qaida angehören soll und mehrere Anschlagsversuche auf den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf verdächtigt wird. Rehman habe fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September einen "spektakulären Anschlag" geplant.

Medienberichte: Drei Anschlagswellen geplant

Mehrere britische Zeitungen berichteten, die Attentäter hätten drei Anschlagswellen geplant. Dabei hätten jede Stunde an Bord von drei Flugzeugen gleichzeitig die Bomben explodieren sollen. Nicht klar sei, ob die Passagiermaschinen über britischem Gebiet, über dem Atlantik oder bei Ankunft in den USA hätten gesprengt werden sollen.

Nach einem Bericht der "Washington Post" erfuhr der britische Geheimdienst erstmals von den geplanten mutmaßlichen Attentaten, als ein Moslem nach den Bombenanschlägen in London im Juli vergangenen Jahres über verdächtige Aktivitäten eines Bekannten erzählte. Im Dezember wurden dann sowohl die Polizei in London als auch die pakistanischen Behörden eingeschaltet, wie britische Medien berichteten.

Konten von 19 Verdächtigen gesperrt

Die Bank of England sperrte die Konten von 19 Verdächtigen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Briten, die jedoch alle moslemische Namen tragen. Zwei der Verdächtigen hätten ihre westlichen Namen abgelegt, nachdem sie zum Islam konvertiert seien.

24 Stunden nach Inkrafttreten der höchsten Sicherheitsstufe normalisierte sich an den Flughäfen in Großbritannien der Passagierverkehr allmählich. Dennoch starteten viele Flüge noch immer mit Verspätung, hunderte wurden gestrichen. Das Innenministerium ließ die höchste Sicherheitsstufe und die scharfen Sicherheitsvorkehrungen vorsorglich weiter in Kraft. (tso/AFP)

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