Londoner Terror-Pläne : Pakistan vermutet Verwicklung Al Qaidas

Zwei Tage nach der Vereitelung von Anschlägen auf mehrere Flugzeuge haben sich die Hinweise auf eine Verwicklung des Terrornetzwerks Al Qaida erhärtet. Vermutlich hatten einige der Verdächtigen auch Kontakt nach Deutschland.

Islamabad/London - Der in Pakistan festgenommene Brite Rashid Rauf lieferte nach Angaben der dortigen Behörden nach mehrtägigem Verhör die entscheidende Information über die Anschlagspläne. Pakistan verdächtigt Rauf, Kontakte zu Al Qaida zu unterhalten. Die Behörden in London und Islamabad setzten am Samstag ihre Verhöre von 31 im Zusammenhang mit dem Komplott Verdächtigen fort. Einige von ihnen hatten nach Medienberichten auch Verbindungen nach Deutschland.

Rauf wurde nach Angaben pakistanischer Sicherheitsbeamter am 4. August in der Stadt Bahawalpur festgenommen. Er habe dann bei den Verhören ausgepackt. Die Informationen seien an die britischen Behörden weitergegeben worden. Das Außenministerium in Islamabad bezeichnete Rauf als "Schlüsselfigur"; es gebe Hinweise, dass er Kontakte zu Al Qaida in Afghanistan unterhalten habe. Der Fall habe "eine weit greifende internationale Dimension".

Der britische Premierminister Tony Blair, der zurzeit Urlaub in der Karibik macht, dankte nach Angaben seines Sprechers Pakistans Präsident Pervez Musharraf in einem Telefonat persönlich für die Unterstützung bei der Vereitelung der Anschläge. Pakistanische Sicherheitskreise wiesen derweil US-Medienberichte zurück, denen zufolge das mutmaßliche Al-Qaida-Mitglied Matiur Rehman maßgeblich an der Anschlagsplanung beteiligt war. Nach dem 29-Jährigen wird wegen eines Anschlagsversuch auf Musharraf gefahndet. In Pakistan waren in der vergangenen Woche insgesamt sieben Terrorverdächtige festgenommen worden.

Unter den 24 in Großbritannien Festgenommenen befindet sich nach Informationen des "Daily Telegraph" auch der 22-jährige Tayib Rauf, ein Bruder von Rashid Rauf. Einer der Festgenommenen wurde am Freitagabend auf freien Fuß gesetzt. Für weitere 22 Festgenommene erhielten die Ermittler eine Genehmigung zur Haftverlängerung, über einen weiteren Haftbefehl sollte am Montag entschieden werden. Nach Polizeiberichten waren einige der Festgenommen in Berufen wie Pizzafahrer, Buchhalter oder Taxifahrer tätig. Alle haben die britische Staatsbürgerschaft.

Kopf der Gruppe bereits festgenommen?

Der britische Innenminister John Reid sagte, er gehe davon aus, dass "die Hauptverdächtigen" des Komplotts festgenommen worden seien. Über die Ergebnisse der Durchsuchungen in Häusern in London, High Wycombe und Birmingham machte Reid keine Angaben. Die Zeitung "The Times" äußerte die Vermutung, der Kopf der Gruppe sei möglicherweise bereits in Gewahrsam. Nach Angaben des US-Fernsehsenders ABC wird nach fünf Verdächtigen noch gesucht.

Kontakte nach Deutschland

Einige der Terrorverdächtigen hatten möglicherweise Kontakte nach Deutschland. Wie das Münchner Magazin "Focus" berichtet, war einer der in London Festgenommenen mit der Frau des eines mutmaßlichen Terroristen bekannt, der zeitweise mit Attentätern des 11. September in deren Hamburger Wohngemeinschaft lebte. Der Bundesnachrichtendienst (BND) wollte sich frühestens Montag äußern.

Auch zwei Tage nach Enthüllung des Komplotts galt in Großbritannien weiter höchste Alarmstufe. In Italien wurden bei Razzien im islamistischen Milieu in den vergangenen zwei Tagen etwa 40 Verdächtige vorsorglich in Haft genommen. Die USA kündigten eine baldige Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen an den Flughäfen an. Frankreich untersagte vorübergehend den Transport von Flüssigkeiten, Cremes oder Gels im Handgepäck.

38 Moslemverbände kritisierten am Samstag in einem offenen Schreiben Blairs Außenpolitik. Der Premier habe mit dem "Debakel im Irak" und seinem Versagen bei der Erlangung eines Stopps der Angriffe auf Zivilisten im Nahen Osten den Extremismus angeheizt und Menschen im In- und Ausland in Gefahr gebracht. (tso/AFP)

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