Lothar Späth : Das Cleverle wird 70

Umtriebig, rastlos, unbändig – Lothar Späth gehört zu den großen Verwandlungskünstlern in der Führungsklasse Deutschlands. Heute feiert er Geburtstag.

Albert Funk
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Lothar Späth -Foto: ddp

BerlinNur wenige erlebten ein vergleichbares Auf und Ab der Karriere. Seine Erfolge hat Späth selbstbewusst genossen, seine Misserfolge hat er meist locker weggesteckt. Von letzteren ist der größte allerdings unvergessen: der Rücktritt als baden-württembergischer Ministerpräsident im Januar 1991, nach Berichten über von Industriellen bezahlte Flüge und Reisen. Späth trat zurück, ohne lange zu fackeln – weil das seinem Naturell als Macher entsprach, aber auch, weil er in seiner CDU an Renommee verloren hatte: Vor dem Bundesparteitag 1989 in Bremen galt er als Haupträdelsführer einer Revolte gegen Helmut Kohl, aber dann verließ ihn der Mut.

Zwischen Politik und Wirtschaft zog Späth nie eine starre Grenze. Er begann 1965 als Kommunalpolitiker in Bietigheim, wechselte dann als Manager zum Gewerkschaftsbetrieb Neue Heimat, bald darauf saß er im Vorstand einer Stuttgarter Baufirma. Parallel dazu übernahm er 1972 mit 35 Jahren das Amt des CDU-Fraktionschefs im Stuttgarter Landtag. 1978 wurde er Innenminister, kurz darauf verhalf ihm der Sturz von Hans Filbinger zum Ministerpräsidentenamt. Dreizehn Jahre regierte „Cleverle“, meist mit absoluter CDU-Mehrheit, von den einen bis heute bewundert als bester Regierungschef im Südwesten, von anderen als hyperaktiver Schaumschläger belächelt.

Wenige Monate nach seinem Abgang in Stuttgart zündete Späth eine neue Karrierestufe: Er übernahm den Vorstandsjob beim VEB Carl Zeiss in Jena, umgetauft zu Jenoptik. Den Technokonzern brachte er 1998 an die Börse, allerdings ist der Aktienkurs seit Jahren notleidend. 2002 ging es wieder zurück in die Politik – Späth gehörte dem Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber an. Heute ist Späth wieder in der Wirtschaft aktiv: Er ist Deutschlandchef der US-Investmentbank Merrill Lynch. An diesem Freitag wird er 70.

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