LSE prüft Dissertation : Saif al Islam Gaddafi: Freund der Familie Blair - und Plagiator?

02.03.2011 15:05 UhrVon Matthias Thibaut
Saif al Islam Gaddafi. Foto: Reuters
Saif al Islam Gaddafi. - Foto: Reuters

Saif al Islam Gaddafi hielt sich oft in London auf. Er beschenkte seine Uni, die renommierte LSE, die sich nun mit der Beschuldigung der Käuflichkeit auseinandersetzen und Vorwürfe prüfen muss, die Dissertation des Diktatorensohns sei ein Plagiat.

Saif al Islam Gaddafi will jetzt an der Seite seines Vaters in Libyen leben und sterben. Die zehn Millionen Pfund teuere Luxusvilla in London, wo der Playboy seit 2002 immer gern gesehen war, dürfte künftig leer stehen.

Saif Gaddafi war der Verbindungsmann zwischen seinem Vater und Libyens „Londoner Lobby“. Als Muammar al Gaddafi 2009 den 40. Jahrestag seiner Machtergreifung feierte, spielte die Blaskapelle von Burry aus Wales in Tripolis. Eigentlich hätte auch Prinz Andrew kommen sollen. Aber der sagte den Besuch ab, weil die Freilassung des Lockerbie-Attentäters Abdul Baset Ali al Megrahi aus schottischer Haft so viel Staub aufgewirbelt hatte.

Dafür trugen italienische und französische Militärjets luftakrobatische Kunststücke zu den Feierlichkeiten bei. Gleichzeitig mit Gaddafis Dienstjubiläum wurde auch das einjährige Bestehen des italienisch-libyschen Abkommens gefeiert. Frankreichs Präsident Sarkozy hatte ebenfalls ein Abkommen mit Libyen abgeschlossen.

Die Aussöhnung Libyens mit dem Westen kam ins Rollen, als sich Saif, 1972 geboren, eigentlich Ingenieur und Architekt, 2002 als Student der Politologie an der renommierten London School of Economics (LSE) einschrieb. Kaum in London, signalisierte Saif den entscheidenden Stellen, sein Vater sei bereit, unter gewissen Bedingungen sein Atomprogramm aufzugeben. Zwei Jahre später, 2004, besuchte Premier Tony Blair Gaddafi in seinem Wüstenzelt. Die TV-Bilder, wie Blair den libyschen Diktator umarmt und küsst, wurden in den letzten Tagen oft im Fernsehen wiederholt.

Peinlich berührt zeigte sich auch Professor David Held, einer der Direktoren des Instituts für „Global Governance“: Er bewertete Saifs TV-Rede als dramatischen Konflikt zwischen dessen demokratischen Überzeugungen und seiner Familienloyalität – „wie bei Shakespeare oder Freud“. Held hielt die Laudatio bei der Feier, bei der Saif dem Institut eine Spende von 1,5 Millionen Pfund versprach – 300 000 Pfund davon wurden bereits ausgezahlt. Das ist der LSE jetzt unangenehm. Die LSE muss sich gegen Behauptungen wehren, sie sei „käuflich“, und prüft den Plagiatsvorwurf. Saif, so heißt es nun, habe die 427 Seiten Dissertation abgeschrieben oder von anderen schreiben lassen.

Kurz nach Abschluss von Saifs Studium erhielt einer seiner Lehrer, Tony Blairs Vertrauter Professor Anthony Giddens, Gelegenheit, im Wüstenzelt in Libyen mit Oberst Gaddafi drei Stunden lang die Politik des „dritten Weges“ zu erörtern.

Der Diktatorensohn hatte Einfluss, Geld und den Lebensstil eines Playboys. Er galt in London als wahrscheinlicher Nachfolger seines Vaters, als Gesinnungsdemokrat und möglicher Reformer. Als er vergangene Woche im libyschen Fernsehen den Oppositionellen mit Bürgerkrieg und einem Blutbad drohte, waren vor allem seine früheren Professoren entsetzt. Saif hatte an der London School of Economics (LSE) 2007 mit einer Dissertation über die „Rolle der Zivilgesellschaft für die Demokratisierung globaler Regierungsinstitutionen“ promoviert. „Er hat an der LSE doch nicht genug über Demokratie gelernt“, sagt Professor Meghnad Desai, Saifs Prüfer beim Doktorexamen, heute.

Weitere Gelder der Gaddafi-Stiftung werde man nicht anrühren, ließ die LSE jetzt verlauten. Studenten fordern, dass die Uni auch die bereits erhaltene Spende zurückgibt. Und die Regierung will das schätzungsweise 20 Milliarden Pfund große Vermögen, das die Gaddafis in Großbritannien versteckt haben sollen, einfrieren. Die Zahl nannte der „Daily Telegraph“. Zunächst aber sollen rund 400 britische Ölarbeiter in Sicherheit gebracht werden, die sich noch in Libyen befinden.

Saif war auch an den Verhandlungen über die Freilassung des Lockerbie-Bombers beteiligt. Kurz zuvor hatten er und Labour Vizepremier Lord Mandelson sich in der Villa eines anderen Freundes von Saif, des Finanziers Nat Rothschild, auf Korfu getroffen. Wie das Magazin „Spectator“ herausfand, war Saif außerdem gemeinsam mit Cherie Blair Gast bei der Fasanenjagd in Rothschilds südenglischem Schloss. Saif Gaddafi bezeichnet sich selbst als Familienfreund der Blairs.

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