Lufthansa-Streik : Der Kranich in Turbulenzen

Mit ihrem Ausstand haben die Flugbegleiter der Lufthansa einen ersten Erfolg erzielt. Wie verlief der bundesweite Streiktag - und wie geht es nun weiter?

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Mehr als 100 000 Passagiere waren am Freitag von den Streiks der Lufthansa-Flugbegleiter betroffen. Das Unternehmen bemühte sich um Ersatz – und machte gleichzeitig den Streikenden ein Angebot.

Wie gut hat das Krisenmanagement der Lufthansa funktioniert?

300 Lufthansa-Flüge konnten nach Angaben von Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Freitag wie geplant starten. Weitere 600 Flüge wurden von Lufthansa-Partner-Gesellschaften wie Air Dolomiti, Augsburg Airways, Lufthansa Cityline oder Eurowings übernommen. Trotzdem waren nach Angaben von Jachnow mehr als 100 000 Passagiere von den Flugausfällen betroffen. Mehr als 60 000 hatte die Lufthansa bereits am Donnerstag per SMS und email über ihre abgesagten Flüge informiert. Die einzigen Lufthansa-Maschinen, die am Freitag von Berlin-Tegel starteten, waren nach Angaben der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) mit Leiharbeitnehmern besetzt. Diese Leiharbeiter waren auch ein Knackpunkt im Streit zwischen Gewerkschaft und Lufthansa.

Worum geht es in der Leiharbeit-Debatte?

In diesem Punkt ist die Lufthansa den Streikenden am Freitag bereits entgegengekommen. Zukünftig will sie keine Leiharbeiter mehr beschäftigen, bisherige Zeitarbeitskräfte sollen übernommen werden. Über Aviation Power, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa und der Zeitarbeitsfirma Manpower, hat die Lufthansa derzeit in Berlin neben etwa 200 eigenen Flugbegleitern auch rund 190 Stewards und Stewardessen als Zeitarbeitnehmer angestellt, die auf Flügen von Berlin zu Zielen in Europa und Nahost eingesetzt werden. Zum Winterflugplan sollten es bis zu 240 werden. Sie bekamen das gleiche Einstiegsgehalt, aber keine automatischen Gehaltssteigerungen. Außerdem mussten sie mehr arbeiten und hatten befristete Verträge. Die Lufthansa reagierte damit auf den von Billig-Airlines geprägten Berliner Markt. Die Gewerkschaft Ufo bezeichnete die Einführung der Leiharbeit als „tarifliche Erpressung“.

Wie sind die Standpunkte im Streit um Lohnerhöhungen?

Die Ufo fordert nach drei Jahren Nullrunde 5 Prozent mehr Lohn. Außerdem sollen die Flugbegleiter am Konzerngewinn beteiligt werden. Die Lufthansa bietet 3,5 Prozent mehr Lohn, will aber Änderungen an der Tarifstruktur. Bislang gibt es 17 altersbedingte Gehaltssteigerungen, die die Lufthansa strecken möchte. Sie verweist auf die Lufthansa-Mitarbeiter am Boden, die schon vor sieben Jahren auf einen Teil der automatischen Gehaltssteigerungen verzichtet hätten.

Warum wehrt UFO sich gegen längere Arbeitszeiten?

Die Lufthansa will die monatliche Arbeitszeit ihrer Flugbegleiter um zwei Stunden auf insgesamt 72 Flugstunden erhöhen, um so die Produktivität zu erhöhen. Ufo argumentiert, dass längere Arbeitszeiten auf Kosten der Sicherheit an Bord der Maschinen gehen würden, weil sich die Flugbegleiter zwischen den Flügen nicht mehr ausreichend ausruhen könnten. Lufthansa verweist darauf, dass bei den Wettbewerbern bereits länger gearbeitet wird. Auch die Mitarbeiter der Firmentochter Germanwings und die Leiharbeiter arbeiteten schon jetzt neun Prozent mehr als die Flugbegleiter der klassischen Crews. mit dpa

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