Lukaschenko weiter im Amt : Verletzte und Festnahmen nach Wahl in Weißrussland

Bei den blutigen Protesten gegen die Präsidentenwahl im autoritären Weißrussland sind mehrere Oppositionskandidaten verletzt und rund 1000 Menschen festgenommen worden.

Die Präsidentenkandidaten Wladimir Neklajew und Vitali Rymaschewski seien von den Polizei krankenhausreif geprügelt und dann vom Geheimdienst KGB verschleppt worden, hieß es aus den Wahlkampfstäben.
Die Präsidentenkandidaten Wladimir Neklajew und Vitali Rymaschewski seien von den Polizei krankenhausreif geprügelt und dann vom...Foto: dpa

Nach der Wahl in Weißrussland ist es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen oppositionellen und der Polizei gekommen. Das berichteten unabhängige weißrussische Journalisten am Montag in der Hauptstadt Minsk. Die Präsidentenkandidaten Wladimir Neklajew und Vitali Rymaschewski seien von den Polizei krankenhausreif geprügelt und dann vom Geheimdienst KGB verschleppt worden, hieß es aus den Wahlkampfstäben. Die Regierungsgegner hatten am Sonntagabend Proteste gegen den vierten Wahlsieg von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko organisiert. Es galt aber ein Demonstrationsverbot.

Die USA und die Europäische Union verurteilten das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten. Die Wahlleitung in Minsk sprach dem 56-jährigen Lukaschenko 79,67 Prozent der Stimmen zu. Das war etwas weniger als die 82,6 Prozent der Stimmen, die der autoritäre Politiker 2006 erhalten hatte. Die Abstimmung in der Ex-Sowjetrepublik gilt traditionell als unfrei. Die Wahlbeteiligung wurde mit mehr als 90 Prozent angegeben.

Weißrussland: Proteste nach der Präsidentenwahl
Der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko wird von der Opposition als letzter Diktator Europas bezeichnet.Alle Bilder anzeigen
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20.12.2010 09:53Der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko wird von der Opposition als letzter Diktator Europas bezeichnet.

Lukaschenko steht bei seinen Kritikern im Ruf, der letzte „Diktator Europas“ zu sein. Die Behörden gehen oft mit eiserner Härte gegen die Opposition vor. Sie hatten vor den angedrohten Protesten gepanzerte Fahrzeuge in Minsk aufgefahren. Auch mehrere Reporter wurden am Sonntag verletzt.

Wütende Lukaschenko-Gegner hatten am Sonntag versucht, Regierungsgebäude zu stürmen. Allerdings stoppten Sicherheitskräfte die Demonstranten gewaltsam. Die Opposition kündigte für Montag
weitere Proteste gegen die aus ihrer Sicht gefälschte Abstimmung an. Die Führung in Minsk wies Manipulationsvorwürfe zurück und forderte die anderen Kandidaten auf, ihre Niederlage einzugestehen. Die Opposition in Weißrussland ist tief gespalten und hatte sich im Vorfeld nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. (dpa)

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