Politik : Luxushilfe

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Alles dreht sich um Hartz, alles hängt an Hartz: Kriegt die Koalition kommende Woche im Bundestag genügend Stimmen für eine eigene Mehrheit zusammen, wenn die unter den Titeln „Hartz III“ und „Hartz IV“ laufenden Reformschritte zum Arbeitsmarkt auf der Tagesordnung stehen? Der VW-Manager Peter Hartz, ein guter Bekannter Gerhard Schröders, hatte die Vorarbeiten geleistet. Anfang dieser Woche kreuzten sich die Wege des VW-Personalvorstands und des Kanzlers tausende von Kilometern von Deutschland entfernt in Arabien. Während des Besuchs des Kanzlers Schröder in Abu Dhabi erschien Hartz unvermittelt spätabends im 18. Stock des Hotels „Rotana Beach“ und erklärte, dass VW nun mit Zulieferern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammenarbeiten und in dem wohlhabenden Öl-Staat möglichst viele Luxuswagen der Typen Phaeton und Touareg verkaufen wolle. Das ist natürlich eine gute Idee, denn in nur wenigen Gesellschaften der Erde gibt ein Gutteil der Autofahrer eben mal 120 000 Euro für einen Drittwagen aus. Zudem steckt im Namen Touareg gesellschaftlicher Sprengstoff. Anders als bei den arabischen Beduinen genießt die Frau bei den in der Westsahara lebenden Tuareg höchste Wertschätzung: Sie gilt als Herrin des Zeltes, kann den Gatten frei wählen und ist Trägerin von Bildung und Adel. Demnach sollte die Bundesregierung überlegen, ob sie zur Förderung der Frauenrechte im arabischen Raum den Export der „Premium“-Klasse-Wagen ordentlich bezuschusst. Das wäre eine Form der Entwicklungszusammenarbeit, die auch noch deutsche Arbeitsplätze schafft. Das neue Förderprogramm, logisch, könnte nur den Titel tragen: „Hartz V“.

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