Politik : Macht Politik Spaß?

Fünf Tage lang haben Kinder im Internet-Chat Parteivertreter unter anderem zur Arbeitslosigkeit befragt

Juliane Schäuble

Berlin - Gregor Gysi liebt Gartenarbeit, Peter Hettlich findet Angela Merkels Frisur „schick“, Daniel Bahr sieht gern Formel 1, während Ingrid Fischbach Schlager mag – obwohl ihre Tochter das „uncool“ findet. Das alles lernte, wer vergangene Woche beim Politik-Chat des Internetportals „Kinder-Campus“ vorbei schaute. Neben privaten Details konnte man aber auch erfahren, dass sich der Nachwuchs mit dem politischen Jargon wider Erwarten ganz gut auskennt. Hartz IV, die Rolle der Bundeswehr oder den Beitritt der Türkei zur EU, die Kinder wollten alles ganz genau wissen. Antworten gab jeden Tag ein Bundestagsabgeordneter. Die Idee dazu hatte die Berliner Agentur „Cobra Youth Communications“.

Wie wird man Politiker und macht das Spaß? Kann man gegen die hohe Arbeitslosigkeit überhaupt etwas tun, und würde eine neue Regierung Soldaten nach Iran schicken? Auch die Jugendlichen wurden persönlich. Zum Beispiel wenn eines der knapp 20 chattenden Kinder die Arbeitslosigkeit des Vaters oder die Angst vor Kriegen gestand. Manch knifflige Frage brachte die Abgeordneten ins Schwitzen. Wie die an den sächsischen Grünen Peter Hettlich nach der Haltung seiner Partei zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr. Der 46-Jährige will deutsche Soldaten zwar nicht in Kriege schicken. „Aber so richtig sicher“ sei er sich manchmal auch nicht. Seine Ehrlichkeit kam gut an: Die Jugendlichen fanden ihn „cool“.

Die „rote Chatterin“ Nicolette Kressl war sich sicher, dass eine SPD-geführte Regierung auch in Zukunft keine Soldaten in den Irak senden würde: „Da haben wir uns ja schon vor drei Jahren gegen die USA behauptet.“ Und was hält sie von einer Frau als Kanzlerin? Das fände die badische Abgeordnete, die wegen der Frauenpolitik in die SPD eingetreten ist, schon toll, „aber eben nicht jede“.

Von Ingrid Fischbach wollte ein Mädchen wissen, ob in der CDU nur Christen seien. Auf Fischbachs Antwort, zumindest sie sei katholisch „und glaube zudem an Gott“, wunderte sich „Susicat“, das sei „bei den Problemen“ aber schwer: „Der hilft uns nicht gegen die Arbeitslosigkeit“.

Abhilfe erhofften sich die Jugendlichen für solch irdische Probleme doch eher von ihren Politikern. Den FDP-Abgeordneten Daniel Bahr, mit 28 jüngster Teilnehmer, löcherten sie mit Fragen über Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ob diese „irgendwann zu Ende“ gehe, konnte der Liberale auch nicht sagen. Aber das Beispiel Österreich zeige, es sei möglich, sie in einem Jahr um die Hälfte zu senken.

Mit Sätzen aus dem Wahlprogramm ließen sich die Jugendlichen nicht abspeisen. Was wäre, wenn man keine Eigenverantwortung tragen könne, weil man krank sei oder nicht so schlau? Da müsse dann der Staat eingreifen, gestand Bahr zu, der ansonsten für das „Engagement der Einzelnen“ warb. Dass Bahr schon mit 14 Jahren in die Partei eintrat, erstaunte die Kinder.

Den Abschluss machte Gregor Gysi. Dass er lustig sei, wird ihm gefallen haben, trotz des Zusatzes: „Aber Sie schreien immer im Bundestag herum, wie alle“. Da war der Einzug des Spitzenkandidaten der Linkspartei/PDS ins Parlament schon fast vorweg genommen. Eine Regierungsbeteiligung nach der Wahl schloss Gysi aus: Die anderen Parteien seien noch nicht so weit. Gelobt wurde er, dass er als einziger echter „Promi“ Zeit zum Chatten hatte. Aber das nächste Mal sollten dann schon auch Gerhard Schröder und Angela Merkel kommen, denn: „Wir wählen sie vielleicht einmal“.

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