Machtkampf bei der Labour-Partei : Die Frau, die Jeremy Corbyn stürzen will

Die britische Abgeordnete Angela Eagle fordert Labour-Chef Jeremy Corbyn heraus. Doch auf ihr lastet der Schatten von Tony Blair. Ein Porträt.

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Angela Eagle
Angela EagleFoto: AFP

Mit der Nähe zu den Mächtigen ist das so eine Sache. Wenn sie oben sind, ist alles gut. Wenn sie fallen, ist die Gefahr groß, dass die Nähe zum Handicap wird. Besonders deutlich wird das bei der britischen Labour-Partei. Wenn man dort jemanden diffamieren will, bezeichnet man ihn einfach als Anhänger eines in Ungnade gefallenen Ex-Vorsitzenden, als Blairite, als Brownite. Jetzt ist auch das Wort Corbynista zum Negativum geworden.

Angela Eagle, Politikerin seit mehr als 20 Jahren, wusste das natürlich, als sie in der vergangenen Woche ihre Kandidatur für den Labour-Vorsitz bekannt gab. „Ich bin weder Blairite noch Brownite, noch Corbynista. Ich bin selbstständig“, sagte sie. Eagle kandidiert in einer Zeit, in der Labour so zerrissen ist wie lange nicht mehr. 172 von 230 Abgeordneten haben Parteichef Jeremy Corbyn das Misstrauen ausgesprochen. Die Basis aber steht nach wie vor hinter ihm.

Sie muss von der Unterstützerin zur Anführerin werden

Zu Anfang unterstützte Eagle Corbyn. In dessen Schattenkabinett war sie für Industriethemen verantwortlich. Äußerlich war sie „Corbynista“. Ihre politische Karriere begann die 55-Jährige früh. Als Arbeiterkind in Nordengland geboren, studierte sie in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft. Der Studiengang gilt als Ausbildung für Berufspolitiker.

1992 wurde Eagle Abgeordnete für das nordenglische Wallasey, 1996 machte Tony Blair sie zur Fraktionsgeschäftsführerin. Als er ein Jahr später die Wahl gewann, wurde sie Staatssekretärin im Umweltministerium. Als Blair über den Irakkrieg abstimmen ließ, stimmte Eagle dafür. Auch unter Gordon Brown war Eagle in der Regierung. Als Labour 2010 die Wahl verlor, blieb sie oben, Opposition wieder, diesmal unter Ed Miliband. War sie also auch Brownite und Milibandista? Parteirebellin ist Eagle jedenfalls nicht. Laut einer Webseite, die das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten beobachtet, stimmt sie „mit großer Mehrheit“ entlang der Parteilinien.

Jetzt will Angela Eagle ganz nach oben. Dafür muss sie von der Unterstützerin zur Anführerin werden. Bis Mittwoch können die Labour-Abgeordneten sich hinter einen der Kandidaten stellen – neben Corbyn zählt auch der frühere Journalist Owen Smith dazu. Danach stimmen die Parteimitglieder ab. Die Basis davon zu überzeugen, dass sie „selbstständig“ ist, dürfte für Eagle schwer werden. Ihr Ortsverband unterstützt mehrheitlich Corbyn – und drohte ihr ein eigenes, lokales Misstrauensvotum an.Johannes Laubmeier

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