Machtkampf : Erbitterter Führungsstreit in der NPD

Der Machtkampf in der NPD wird zunehmend bizarr. Anhänger des umstrittenen Parteichefs Udo Voigt versuchen jetzt offenbar, gegen den Rivalen Udo Pastörs die eigentlich verhasste Justiz in Stellung zu bringen.

Frank JansenD
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Udo Pastörs. -

Berlin - Auf dem in der rechten Szene populären und von den Sicherheitsbehörden beobachteten Internet-Portal „Altermedia Deutschland“ erschien am Montag ein anonymer Beitrag, in dem Pastörs brutale Parolen vorgeworfen werden – mit dem auffälligen Hinweis, der Vorsitzende der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern habe „mehrfach zu strafrechtlich vermutlich relevanten Formulierungen“ gegriffen.

Pastörs soll beim politischen Aschermittwoch der saarländischen NPD in Saarbrücken gesagt haben, die Bundesrepublik sei ein „Judenstaat, den es auszulöschen gelte“. Außerdem müssten die vielen „Krummnasen“ vernichtet werden, die die Politik in Deutschland beherrschten. Pastörs wies die Vorwürfe in einer eidesstattlichen Erklärung zurück.

Die heftigen Kampagnen, mit denen sich die NPD-Flügel gegenseitig überziehen, könnten nach Ansicht von Sicherheitsexperten dazu führen, dass die Partei auseinanderbricht. Pastörs und andere Funktionäre halten Voigt vor, er habe den einstigen Bundesschatzmeister Erwin Kemna gedeckt, der die Partei um mehr als 740 000 Euro betrogen hatte.

Auf einem Sonderparteitag will die NPD die Verantwortung für das Finanzchaos klären und einen neuen Vorsitzenden wählen. Voigt tritt wieder an, Pastörs ist bislang der einzige Gegenkandidat. Die NPD hat unter anderem im Berliner Bezirk Reinickendorf für Anfang April beantragt, einen Saal im Fontane-Haus zu mieten. Hier fand bereits 2006 ein NPD-Bundesparteitag statt. Das Bezirksamt will einen weiteren verhindern. Frank Jansen

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