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Machtkampf in Burkina Faso : Armee stellt sich hinter Oberst Zida

Nach dem Rücktritt des Präsidenten von Burkina Faso ist ein Machtkampf innerhalb des Militärs entbrannt, den am Samstag offenbar der Vizechef der Präsidentengarde für sich entscheiden konnte.

Machtkampf in Burkina Faso.
Machtkampf in Burkina Faso.Foto: dpa

Nach dem Rücktritt von Blaise Compaoré als Staatschef von Burkina Faso hat sich die Armee hinter Oberst Isaac Zida als Führer einer Übergangsregierung gestellt. Die Armeeführung habe sich einstimmig für den bisherigen Vizechef der Präsidentengarde Zida ausgesprochen, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung des Generalstabs. Unterzeichnet war die Erklärung von Militärchef Honoré Traoré, der ursprünglich das Amt des Übergangspräsidenten für sich beansprucht hatte.

Nach dem Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré war ein Machtkampf innerhalb des Militärs um die Führung Burkina Fasos entbrannt. Der Vizechef der Präsidentengarde, Isaac Zida, stellte sich am Samstag im Radiosender Omega FM gegen Armeechef Honoré Traoré und beanspruchte das Amt des Übergangsstaatschefs in dem westafrikanischen Land für sich. Traoré hatte am Freitag angekündigt, das Amt des Präsidenten zu übernehmen.

Der 63-jährige Compaoré hatte zuvor seinen Rückzug verkündet. Nach dem Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré hat das Militär die Macht im westafrikanischen Burkina Faso an sich gezogen. Armeechef Honoré Traoré teilte am Freitag mit, er übernehme die Amtsgeschäfte mit sofortiger Wirkung. Er begründete den Schritt in einer Mitteilung mit dem Vakuum an der Staatsspitze und „der Notwendigkeit, das Leben der Nation zu schützen“. Der 63-jährige Compaoré hatte zuvor nach tagelangen Massenprotesten gegen ihn seinen Rückzug angekündigt. Die USA pochten auf einen demokratischen Machtwechsel in dem bitterarmen Land und mahnten Wahlen an.

„Ich bin überzeugt, dass ich meine Pflichten erfüllt habe, und trete im obersten Interesse des Landes zurück“, hieß es in einer im staatlichen Fernsehen verlesenen Mitteilung Compaorés. Des 63-Jährige rief zu Ruhe und Frieden auf und betonte, dass innerhalb der nächsten 90 Tage Wahlen abgehalten werden sollen, um seinen Nachfolger zu bestimmen.

Compaoré hatte sich 1987 an die Macht geputscht, seit 1991 war er offiziell Präsident des Landes. Sein Aufenthaltsort war zunächst unklar, jedoch gab es Berichte, wonach er in den Süden des Landes geflohen sein soll.
Der französische Präsident Francois Hollande begrüßte Compaorés Rücktritt. Auch er mahnte Besonnenheit an. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, verlangte, den Willen der Bevölkerung nach Demokratie zu respektieren.

Als erstes hatte ein Armeesprecher am Freitag Compaorés Rücktritt verkündet. Unter den Demonstranten auf dem Platz der Revolution in der Hauptstadt Ouagadougou brach daraufhin Jubel aus. Doch viele von ihnen zeigten sich unzufrieden darüber, dass umgehend Armeechef Traoré die Macht an sich zog. Er war unter Compaoré an die Spitze des Militärs aufgestiegen.

Nach schweren Unruhen hatte Compaoré am Donnerstag zunächst angekündigt, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten und von einer geplanten Verfassungsänderung abzusehen. Jedoch betonte er, bis zu den Wahlen im November 2015 einer Übergangsregierung vorstehen zu wollen.

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Danach hatten sich am Freitag erneut Zehntausende aufgebrachte Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou versammelt. In anderen Landesteilen gingen die Menschen ebenfalls auf die Straße. Dabei blieb es Augenzeugen zufolge friedlich. Teile des Militärs unterstützten offenbar die Demonstranten.

Nach Angaben der Opposition waren bei blutigen Unruhen am Donnerstag mindestens 30 Menschen getötet und 100 weitere verletzt worden. Die Polizei hatte mit scharfer Munition in die Menge geschossen. Burkina Faso, in dem etwa 17 Millionen Menschen leben, ist eines der ärmsten Länder der Welt. (dpa)

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