Machtkampf in der AfD : Frauke Petry hat sich verzockt

Aus Machtkalkül bekämpft Frauke Petry den Antisemitismus in der AfD nicht entschieden, meint die Publizistin Liane Bednarz. Für sie gelte nun: Game over. Ein Gastkommentar.

Liane Bednarz
AfD-Chefin Frauke Petry zusammen mit dem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen am Mittwoch im Stuttgarter Landtag
AfD-Chefin Frauke Petry zusammen mit dem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen am Mittwoch im Stuttgarter LandtagFoto: Christoph Schmidt/dpa

Die Selbstdemontage Frauke Petrys verläuft in einer verblüffenden Rasanz. Die promovierte Chemikerin, die als Unternehmerin scheiterte, sodann auf eine AfD-Parteikarriere setzte, und auf dem Essener Parteitag ohne jeden Skrupel ihren damaligen Co-Vorsitzenden Bernd Lucke niederrang, hat sich verzockt.

Nicht einmal ein Jahr später hat sie sich mit ihrem neuen Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen ebenfalls überworfen, der seinerseits keine Hemmung hat, mit dem radikal rechten „Flügel“ rund um Björn Höcke zu fraternisieren. Frauke Petry aber ist noch weiter gegangen. Um Meuthen zu schwächen, der in diesem Punkt eine klare Kante gezeigt hat, hat sie sich dem sofortigen Ausschluss des Antisemiten Wolfgang Gedeon aus der baden-württembergischen Landtagsfraktion der AfD widersetzt.

Wer so weit geht, wer aus Machtkalkül Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht entschieden bekämpft, für den gilt sogar in der AfD: Game over. Marcus Pretzell sagte vor ein paar Wochen im „Bunte“-Doppel-Interview, seine Freundin Petry habe so „etwas dämonenhaft Schönes“. Rückblickend muss man ihn damit wohl ernst nehmen. Allerdings mit einer Einschränkung. „Schön“ ist Petrys Verhalten nicht.

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