Politik : Machtkampf in Jugoslawien: Der Show-down

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Die Machtprobe zwischen dem Regime und dem Volk in Serbien geht in die entscheidende Runde. Der Opposition bleibt ein Zeitfenster von nur wenigen Tagen, um Milosevic zum Rückzug zu zwingen. Der Druck, den die Gegner des Autokraten quer durch das Land aufgebaut haben, ist beachtlich. Doch er reicht noch nicht. Der Protestaufruf zeigt seine Auswirkungen vor allem draußen in der Provinz, wo die Opposition in ihren Hochburgen noch über lokale Radio- und Fernsehstationen verfügt. Orte wie Kragujevac, Cacak oder Nis sind heute schon fast so etwas wie "freie Städte" im Reich des Autokraten. Dieser muss sich fürchten, wenn sogar die staatliche Gewerkschaft mit Streik droht und sich die bisher so loyalen Bergarbeiter von ihrem Streik nicht gewaltfrei abbringen lassen. In der Hauptstadt scheinen hingegen viele nach einem Jahrzehnt der vergeblichen Kundgebungen resigniert abzuwarten. Wegen des Medienblackouts fehlt es zudem an Informationen. Milosevic wird erst weichen, wenn auch ganz Belgrad auf den Füßen ist und die Demonstranten vor seiner Haustüre stehen. Dass Milosevic nicht einfach aufgeben wird, hat er mit der Verhaftung Streikender deutlich gemacht. Das Ziel des bedrängten Präsidenten ist klar: Schafft er es, die Stichwahl am kommenden Sonntag ungestört und im Alleingang zu absolvieren, wird er seine Macht noch einmal konsolidieren können. Serbiens betrogene Wähler haben nun die historische Chance, dies zu verhindern. Eine ähnliche Gelegenheit wird es danach nicht mehr so bald geben.

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