Politik : Machtkampf in Rest-Jugoslawien: Narren (Kommentar)

cvm

Ganz klar, man kann die Verhaftung von OSZE-Mitarbeitern in Montenegro als neuen Beleg nehmen, dass Slobodan Milosevic unter Verfolgungswahn leidet und den Realitätssinn im Alter vollends verliert - wie alle Diktatoren. Und liegt damit gewiss nicht falsch. Vorher schon hatte er vier Niederländer festnehmen lassen, die ihm angeblich nach dem Leben trachteten. Aber auch über die betroffenen OSZE-Leute kann man nur fassungslos den Kopf schütteln. Bei der OSZE weiß man doch, wie gespannt die Lage in Montenegro ist - und hatte dem Personal in der Krisenregion deshalb intern schon lange von privaten Ausflügen dorthin abgeraten. Da mag die Adria-Küste noch so verlockend sein nach dem anstrengenden Dienst im Kosovo oder auch in den albanischen Bergen. Dass im Kosovo Nato und OSZE das Sagen haben - und nicht mehr Belgrad - ist Milosevic ein Ärgernis. Und nun droht sich auch noch Montenegro abzuspalten! Aus seiner Sicht also höchste Zeit, ein Zeichen zu setzen, dass seine Waffen noch nicht stumpf sind. Über die Außengrenzen der Bundesrepublik Jugoslawien, zu der Montenegro nach wie vor gehört, wacht Belgrads Armee. Provokationen wie diese Verhaftung hat Milosevic noch stets kühl kalkuliert. Da handelt nicht nur ein alternder Narr. Er ist immer noch gefährlich. Die Nato ist im Zweifel zwar stärker, aber hier in der schwächeren Position.

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