Politik : Machtwechsel: Ghanas Opposition vor Sieg

Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit Ghanas 1957 wird es wahrscheinlich einen demokratisch legitimierten Machtwechsel in dem westafrikanischen Land geben. Einen Tag nach der Präsidentenstichwahl lag Oppositionsführer John Kufuor am Freitag mit etwa 60 Prozent deutlich vorne. Vizepräsident John Atta Mills kam lediglich auf rund 35 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt war nach Rundfunkberichten etwa die Hälfte der 200 Wahlkreise ausgezählt. Das amtliche Wahlergebnis soll am heutigen Sonnabend bekannt gegeben werden.

Kufuor, Kandidat der Neuen Patriotischen Front (NPP), hatte sich die Unterstützung von fünf anderen Oppositionsparteien für die Stichwahl gesichert, nachdem er im ersten Wahlgang am 7. Dezember nur knapp vor Mills gelegen hatte. Experten hatten auch für die Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Kufuor zeigte sich in einer ersten Stellungnahme sehr optimistisch. "Die Ergebnisse bestätigen das Bild, das wir nach dem ersten Wahlgang hatten", erklärte der Jurist. Sorge bereiteten ihm allerdings Berichte über Gewalt und Einschüchterung.

In der Hauptstadt Accra wurde ein oppositioneller Parlamentsabgeordneter niedergestochen. Die Meldungen über Auseinandersetzungen zwischen NPP-Anhängern und Gefolgsleuten der Regierungspartei Nationaler Demokratischer Kongress (NDC) bestätigte Wahlleiter Kwadwo Afari-Djan. "Diese wenigen Zusammenstöße hatten aber keine Auswirkung auf die überwiegend friedlich verlaufene Wahl", sagte er. Medien berichteten jedoch über weitere Versuche, Wähler einzuschüchtern.

Die ehemalige britische Kolonie in Westafrika gilt als eines der wenigen stabilen und demokratischen Länder der Region. Das Land kämpft jedoch mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weil die Preise für die Hauptexportgüter Kakao und Gold auf dem Weltmarkt seit geraumer Zeit niedrig sind.

Der amtierende Präsident Jerry Rawlings hatte sich vor zwei Jahrzehnten an die Macht geputscht, dann Ghana aber seit 1992 demokratisiert. Vor vier Jahren hatte Rawlings Kufuor im Rennen um das Präsidentenamt geschlagen. Laut Verfassung durfte der Ex-Militär nun aber nicht mehr kandidieren.

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