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Machtwechsel in Ägypten : Übergangspräsident Mansur reicht Muslimbrüdern die Hand

Der neue Präsident Ägyptens Mansur hat keine leichte Aufgabe: Er muss die zerstrittenen Lager der ägyptischen Gesellschaft einander näher bringen. Gleich nach seiner Vereidigung lud er die Muslimbrüder ein, an der Gestaltung der Umwälzungen mitzuwirken.

Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur.
Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur.Foto: Reuters

Der am Donnerstag in Ägypten zum Übergangspräsidenten ernannte Chef des Verfassungsgerichtes, Adli Mansur, hat den Muslimbrüdern die Hand ausgestreckt. Sie seien ein Teil der Nation und eingeladen, an deren Gestaltung mitzuwirken, sagte Mansur am Donnerstag in Kairo. Die Zeitung “Al-Ahram“ zitierte ihn weiter mit den Worten, wenn sie diese Einladung annähmen, würden sie nicht ausgeschlossen.

Mansur war nach dem Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi durch die Streitkräfte zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden und wurde am Donnerstagvormittag vereidigt. Er versprach Neuwahlen, stellte aber keinen Zeitpunkt in Aussicht.

Die Reaktionen auf den Militärputsch in Ägypten
CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder (im Bild) bezeichnete Mursi im Deutschlandfunk als „radikalen gefährlichen Antisemiten“. Zwar sei es „grundsätzlich nicht richtig“, demokratisch gewählte Präsidenten abzusetzen. Im Falle Ägyptens sei aber zu fragen, ob die Alternative eine Eskalation bis hin zum Bürgerkrieg gewesen wäre. Der FDP-Außenexperte Rainer Stinner bezeichnete die Massenproteste gegen Mursi als „verständlich“ - nicht aber seine Absetzung durch das Militär. „Den Ausgang von Wahlen darf man in einer Demokratie nicht ignorieren“, kritisierte er. Die Entmachtung durch das Militär sei „kein zulässiges Mittel der politischen Auseinandersetzung“.Weitere Bilder anzeigen
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04.07.2013 13:02CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder (im Bild) bezeichnete Mursi im Deutschlandfunk als „radikalen gefährlichen Antisemiten“. Zwar...

Mansur legte den Eid vor den Richtern des Verfassungsgerichts ab, hieß es. Die Militärführung hatte am Mittwoch nach tagelangen teils blutigen Massenprotesten den vor einem Jahr gewählten Mursi, einen Islamisten, abgesetzt. Mansur, zuvor Richter am Verfassungsgericht, wurde erst vor drei Tagen Präsident dieses Gremiums. Er soll die Geschicke des Landes bis zu Neuwahlen lenken.

Mansur soll an der Spitze einer parteiübergreifenden Übergangsregierung stehen, deren Zusammensetzung noch nicht bekannt ist. Dieses Kabinett soll Neuwahlen für die Präsidentschaft und das Parlament vorbereiten. Der Zeitrahmen dafür ist noch nicht bekannt.

Die neue Regierung soll außerdem Verfassungsänderungen ausarbeiten.

Mursi sprach von einem „klaren Militärputsch“. Die Armeeführung berief sich auf die Ablehnung Mursis durch Millionen Bürger. Der Ex-Präsident befindet sich im Verteidigungsministerium im Gewahrsam des Militärs.
(Reuters, dpa, AFP)

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