Politik : Machtwechsel in Sri Lanka

Parteienbündnis der Präsidentin liegt bei Parlamentswahl vorn

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Colombo (dpa). Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in Sri Lanka zeichnet sich ein überraschend klarer Sieg des ZwölfParteien-Bündnisses von Präsidentin Chandrika Kumaratunga ab. Nach den bis zum Samstagabend veröffentlichten Ergebnissen konnte die Vereinte Volksfreiheitsallianz (UPFA) 47,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Sie verfehlte aber die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Die Vereinte Nationale Front (UNF), das Bündnis von Ministerpräsident Ranil Wickramasinghe, kam auf 37,9 Prozent.

Nach Berichten über Unregelmäßigkeiten wurde das amtliche Endergebnis nicht wie geplant am Samstag verkündet. Vor der Wahl war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen UPFA und UNF vorausgesagt worden. Drittstärkste Kraft wurde die von den Rebellen der „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) unterstützte tamilische Nationalallianz. Sie bekommt laut Hochrechnung 21 Sitze.

Im Mittelpunkt der Wahl stand die Frage nach dem Umgang mit der LTTE. Kumaratunga tritt für einen härteren Kurs gegenüber den Rebellen ein, hat allerdings auch ihren Willen zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche betont. Noch ist unklar, wer Wickramasinghe als Regierungschef ablösen könnte. Kumaratunga selbst bleibt zunächst Präsidentin. Einen Spitzenkandidaten hat ihr Bündnis nicht aufgestellt. Zwischen Kumaratunga und Wickramasinghe schwelt seit Jahren ein Machtkampf.

Die Polizei sprach von einer relativ ruhigen Wahl, verglichen mit der vorherigen im Dezember 2001, als am Wahltag mindestens 15 Menschen getötet worden waren. Die Wahlen wurden von mehr als 64 000 Polizisten geschützt. Zur Stimmabgabe waren bereits am Freitag 12,8 Millionen der knapp 20 Millionen Sri Lanker aufgerufen gewesen.

Kumaratunga hatte mit der Übernahme der Kontrolle über Schlüsselministerien eine Staatskrise ausgelöst, die durch die Neuwahlen beendet werden soll. Die LTTE kämpfte 20 Jahre lang um einen eigenen Staat für die tamilische Minderheit und fordert nun größtmögliche Autonomie. Der Bürgerkrieg kostete fast 70 000 Menschen das Leben. Seit mehr als zwei Jahren gilt ein von Norwegen vermittelter Waffenstillstand.

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