Politik : Machtwechsel: Philippinen werden wieder von einer Frau regiert

Nach dem Rücktritt des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada ist am Sonnabend seine bisherige Stellvertreterin Gloria Macapagal-Arroyo als neue Staatschefin vereidigt worden. Sie nannte anschließend als wichtigste Ziele ihrer Arbeit die Bekämpfung von Armut und Korruption. Straffreiheit für Estrada, dem Korruption vorgeworfen wird, schloss Macapagal-Arroyo aus. "Wir lassen die Justiz ihre Arbeit tun, sagte die Politikerin. Nach philippinischem Gesetz droht Estrada sogar die Todesstrafe wegen "wirtschaftlicher Plünderung". Die USA und Japan begrüßten den Machtwechsel.

Vor mehreren zehntausend Menschen, darunter ausländische Diplomaten und der Erzbischof von Manila, nahm der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, Hilario Davide, der 53-jährigen Macapagal-Arroyo den Amtseid ab. Die Zeremonie unter freiem Himmel wurde vom philippinischen Fernsehen live übertragen. "Ich fühle, dass Gott mich an diesem schweren Punkt unserer Geschichte hierher gebracht hat", sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin und gläubige Katholikin auf ihrer ersten Pressekonferenz als Präsidentin.

Macapagal-Arroyo berief den ehemaligen Haushaltsminister Alberto Romulo zum neuen Finanzminister. Andere Nominierungen sollen in Kürze folgen. Die meisten Minister in Estradas Kabinett waren am Freitag zurückgetreten. Noch am Freitagmorgen hatte Estrada ein von der Opposition gesetztes Ultimatum zum Rücktritt verstreichen lassen. Aus Protest marschierten 50 000 Menschen zum Präsidentenpalast, um den Präsidenten aus dem Amt zu jagen.

Schließlich akzeptierte Estrada die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, der das höchste Staatsamt für unbesetzt erklärt hatte. Ausschlaggebend für Estradas Rücktritt war aber offenbar, dass sich das Militär gegen ihn stellte. Der Staatschef und seine Familie verließen daraufhin den Präsidentenpalast und fuhren in einen Vorort Manilas. Estrada plane nicht, sich ins Ausland abzusetzen, sagte ein Mitarbeiter.

Die US-Regierung erklärte, Washington sei zufrieden, dass die Krise ohne Gewalt beendet worden sei. Japan versprach der neuen Präsidentin seine volle Unterstützung. Auch andere asiatische Länder wie Thailand, Malaysia und Kambodscha nahmen die Nachricht vom Rückzug Estradas mit Erleichterung auf. Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau gratulierte Macapagal-Arroyo zum Amtsantritt und wünschte "viel Erfolg nach den Belastungen, welche die Demokratie auf den Philippinen jüngst zu bestehen hatte".

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