Madagaskar : Präsident übergibt Macht an Militär

Nach einem wochenlangen Machtkampf mit mehr als 140 Toten hat Madagaskar Präsident Marc Ravalomanana die Amtsgeschäfte am Dienstag an das Militär übergeben.

Wolfgang Drechsler (mit AFP)

Kapstadt - Die Militärführung übertrug die „umfassende Macht“ an Oppositionsführer Andry Rajoelina. Der 34-Jährige hatte den legitim gewählten Präsidenten bereits am Wochenende für abgesetzt erklärt und die Bildung einer Übergangsregierung angekündigt. Zuvor hatte der als Heißsporn bekannte Rajoelona das Angebot von Ravalomanana abgelehnt, einen Volksentscheid zur Lösung der Krise abzuhalten.

Der Umschwung zugunsten der Opposition erfolgte vorige Woche, als sowohl das Militär als auch die Gendarmerie des Landes dem bisherigen Präsidenten die Unterstützung versagten und mehrheitlich hinter seinen Rivalen einschwenkten. Zuvor hatte sich die Armee aus dem Machtkampf herausgehalten und beide Rivalen wiederholt aufgefordert, ihre Differenzen schnell und friedlich beizulegen. Nach der Entmachtung des höchsten Generals in der letzten Woche hatten sich weite Teile des Militärs dann jedoch hinter den jungen Oppositionschef gestellt – und den Präsidenten zum Rücktritt gedrängt.

Das Militär lehnte es ab, die Regierung selbst zu übernehmen. „Die Leute wollen kein Militärdirektorium“, sagte Generalstabschef André Andriarijaona. Allerdings müsste vor einem Amtsantritt Rajoelinas die Verfassung geändert werden, weil das Mindestalter des Präsidenten auf 40 Jahre festgelegt ist. Die Afrikanische Union (AU) hatte das Militär vor einer Weitergabe der Macht an Rajoelina gewarnt. Jede Regierungsübernahme, die nicht der Verfassung entspreche, werde von der AU als Staatsstreich betrachtet, sagte Jean Ping, der Kommissionsvorsitzende der AU. Zu den weiteren Folgen des Machtwechsels könnte auch gehören, dass der Zustrom westlicher Hilfsgelder versiegt.

Über die genauen Gründe für die plötzliche Revolte gegen die gewählte Regierung besteht noch immer Unklarheit. Viele Madagassen werfen ihrem vom Weltwährungsfonds protegierten Präsidenten vor, das Land vor allem zum Nutzen seines Geschäftsimperiums gelenkt zu haben. Der frühere Milchverkäufer, der zum reichsten Unternehmer der Inselrepublik aufstieg, hatte Madagaskar vor einigen Jahren nach einem monatelangen Machtkampf mit seinem Vorgänger übernommen – und es ausländischen Investoren geöffnet. Zum Verhängnis wurde Ravalomanana womöglich ein noch gar nicht unterzeichneter Vertrag seines Landes mit dem südkoreanischen Daewoo-Konzern, der 1,3 Millionen Hektar Land kaufen wollte, um Soja und Mais für den asiatischen Markt anzubauen.Wolfgang Drechsler (mit AFP)

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