Politik : Made in Germany

Die deutsche Wirtschaft profitiert in der arabischen Welt vom Krieg

Hans Monath[Riad]

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat auf den ersten zwei Stationen seiner Arabien-Reise nachhaltige Unterstützung für die deutsche Irak-Politik erhalten. Wie schon zuvor in Kairo herrschte zwischen den Deutschen und ihren Gastgebern auch in Riad „weitgehendes Einvernehmen" über die Zukunft des Irak, wie es von deutscher Seite hieß. Sowohl die Ägypter als auch die Saudis sind beunruhigt über die Instabilität in dem Nachkriegsland und verlangen eine schnelle Übertragung der Autorität an das irakische Volk. Von dem hohen Ansehen, das Berlin wegen seines Widerstands gegen den Irak-Krieg in der arabischen Welt genießt, profitiert auch die deutsche Wirtschaft. In Saudi-Arabien würden US- und britische Produkte zunehmend durch deutsche ersetzt, berichteten Fachleute für den Handel zwischen den zwei Ländern. Wie die Regierung in Riad mitteilte, darf als erstes deutsches Finanzinstitut die Deutsche Bank eine Geschäftsstelle in Saudi-Arabien eröffnen.

In einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer in Riad betonte Schröder die Bereitschaft Deutschlands, angesichts neuer Bedrohungen zu einem Ende der Gewalt und zu mehr Stabilität im Nahen und Mittleren Osten beizutragen. „Wir müssen deshalb daran arbeiten, die Probleme zu lösen und für die Region belastbare Perspektiven zu schaffen“, sagte er. Ziel der Kanzlerreise nach Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist es, die Wirtschaftsbeziehungen sowie den kulturellen Austausch mit den drei arabischen „Schlüsselländern" zu stärken und Einschätzungen der Gastgeber zum Irak und zum Nahost-Konflikt zu hören.

Auch die möglichen Verbindungen der Terrororganisation Al Qaida zu einem Islamzentrum in Bonn waren Thema der Gespräche in Riad. Nach den politischen Gesprächen sagte Schröder: „Das war Gegenstand der Gespräche, die ich hatte. Und das wird abgestellt.“ Saudi-Arabien strebe eine „sehr enge Kooperation" mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundeskriminalamt (BKA) an, hieß es weiter von deutscher Seite. Offenbar sind diese Bestrebungen über reine Absichtserklärungen längst hinausgekommen: BKA-Chef Kersten wird schon kommende Woche zu Gesprächen in Riad erwartet.

Die Deutschen wurden in Riad wiederum mit der Bitte konfrontiert, ihre Wirtschaft möge sich stärker engagieren beim Versuch Saudi-Arabiens, die Abhängigkeit vom Ölexport durch den Aufbau einer breiter gefächerten Wirtschaftsstruktur zu durchbrechen. In der Kanzler-Delegation reisten fast 20 Wirtschaftsvertreter, die auf gute Abschlüsse in der Region hoffen. Die Gelegenheit ist günstig: „Was wir in Saudi-Arabien feststellen, ist eine Neuorientierung nicht nur der Investoren, sondern auch der Konsumenten ganz klar in Richtung Deutschland", sagt Manfred Rothgänger vom Verbindungsbüro der deutschen Wirtschaft in Riad. Obwohl die USA noch immer an erster Stelle der saudischen Importe stünden, würden britische und amerikanische Produkte zunehmend von deutschen verdrängt, sagt der Verbindungsmann: „Die deutsche Wirtschaft ist hier eigentlich der Gewinner der letzten Jahre."

Schröder kündigte an, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Clement im kommenden Jahr mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Saudi-Arabien reisen werde. Gleichzeitig warb der Kanzler um Investoren, denen die Bundesregierung mit ihrer Reformpolitik entgegenkomme. „Durch sinkende Steuersätze gewinnt der Investitionsstandort Deutschland im internationalen Vergleich zusätzlich an Attraktivität", sagte er.

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