Madrid : Baskischer Separatistenführer wieder frei

Einen Tag nach der Verhaftung des baskischen Separatistenführers Arnaldo Otegi hat der zuständige spanische Ermittlungsrichter dessen Freilassung auf Kaution angeordnet. Die Justiz will ihm wegen Unterstützung und Finanzierung der ETA den Prozess machen.

Madrid (27.05.2005, 15:18 Uhr) - Die Anwälte des 46-Jährigen hätten die geforderten 400.000 Euro bei Gericht hinterlegt, verlautete am Freitag aus Justizkreisen. Otegi, dessen Partei Batasuna (Einheit) als politischer Arm der Untergrund- Organisation ETA gilt, muss sich nun zwei Mal die Woche bei den Behörden melden und darf das Land nicht verlassen.

Stunden vor dem Entlassungsbescheid hatten mutmaßliche ETA- Terroristen einen Anschlag in Nordspanien verübt. Bei der Explosion zweier Bomben auf dem Bahnhof der baskischen Kleinstadt Barakaldo nahe Bilbao entstand schwerer Sachschaden, wie die Polizei mitteilte. Verletzt wurde aber niemand. Das Attentat wurde als Reaktion auf die Inhaftierung Otegis gewertet. Dieser war bereits Ende der 80er Jahre wegen Mitgliedschaft in der ETA zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Am Mittwoch waren bei einem Autobomben- Anschlag der ETA in Madrid 52 Menschen leicht verletzt worden.

Die Batasuna-Partei machte den spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero für die Verhaftung Otegis verantwortlich. «Damit hat die Regierung die Tür zu möglichen Friedensverhandlungen zugeschlagen», sagte ein Parteisprecher. Demgegenüber erklärte der spanische Justizminister Juan Fernando López Aguilar: «Die Festnahme ist ein weiterer Schritt, dem Terror der ETA ein Ende zu setzen.»

Zapatero forderte die ETA auf, die Waffen niederzulegen und sich aufzulösen. Die Opposition warf der sozialistischen Regierung vor, sie habe die ETA mit ihrer Initiative zur Aufnahme von Verhandlungen gestärkt. «Diese Strategie war ein schwerer Fehler», betonte der Fraktionssprecher der konservativen Volkspartei (PP), Eduardo Zaplana. (tso)

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