Politik : Madrid bricht Verhandlungen mit Eta ab Tausende demonstrieren gegen Terroristen

Ralph Schulze

Madrid - Nach dem schweren Bombenanschlag der baskischen Terrororganisation Eta am Flughafen der Hauptstadt Madrid hat die spanische Regierung den Friedensprozess auf Eis gelegt. Bei dem Attentat, mit dem die Eta abrupt einen neunmonatigen Waffenstillstand brach, waren zwei Menschen getötet und etwa 20 verletzt worden. Die beiden Leichen konnten bis zum Montagabend noch nicht geborgen werden, weil sie von den tonnenschweren Trümmern des eingestürzten Parkhauses begraben wurden. In vielen Städten des Landes demonstrierten Zehntausende gegen den Terroranschlag.

Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef Jose Luis Zapatero, der mit eiserner Miene vor die Kameras trat, versprach, die Terroristen gnadenlos zu jagen und hart zu bestrafen. Die Polizei löste eine Großfahndung aus, um das mindestens dreiköpfige Kommando dingfest zu machen. Die Terroristen hatten den Sprengsatz in einem Lieferwagen platziert, den sie im Baskenland gestohlen hatten. Mit der rollenden Bombe, die Schätzungen zufolge zwischen 500 und 800 Kilogramm Sprengstoff enthielt, fuhren die Terroristen dann durch halb Spanien nach Madrid ins Flughafenparkhaus des Terminals 4. Nach telefonischer Vorwarnung war die Bombe am 30. Dezember gegen neun Uhr morgens hochgegangen.

Bei den beiden Toten handelt es sich um zwei Ecuadorianer, die Familienangehörige auf dem Flughafen abholen wollten. Sie hatten in ihren Autos im Parkhaus gewartet und waren möglicherweise eingeschlafen. Offenbar waren sie bei der Räumung des Parkhauses von der Polizei nicht entdeckt worden. Nach Angaben der Polizei kann es noch Tage dauern, bis die Leichen geborgen werden. Zuvor müssen rund 40 000 Tonnen Betontrümmer weggeräumt werden. Drei der vier Parkhaus-Stockwerke stürzten ein und begruben auch rund 2000 Autos unter sich.

Mit dem Bombenanschlag beerdigten die Terroristen überraschend eine Waffenruhe, die sie im März nach Geheimverhandlungen mit der spanischen Regierung ausgerufen hatten. Frühere Feuerpausen, etwa in den Jahren 1989 und 1998, hatten die Terroristen durch Kommuniqués für beendet erklärt und erst dann wieder mit ihrer Gewaltkampagne begonnen. Die Eta kämpft seit etwa 40 Jahren mit Waffengewalt für die Abspaltung des Baskenlandes.

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben